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3 Fragen an Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Hemel

11.07.2023

In unserer Reihe „3 Fragen an…“ sprechen wir mit Partnern und Persönlichkeiten aus unserem Stiftungsnetzwerk und geförderten Projekten über das Thema Good Leadership. Unsere drei Fragen richten wir heute an Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Hemel, Direktor des Weltethos-Instituts in Tübingen.

Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Ulrich Hemel verbindet in ungewöhnlicher Art und Weise die Welt der Wirtschaft und die Welt der Wissenschaft. Seit 2018 ist er Direktor des Weltethos-Instituts. Seit 1996 wirkt er außerdem als Professor für Religionspädagogik an der Universität Regensburg. 2009 gründete er das Institut für Sozialstrategie (IfS) zur Erforschung der globalen Zivilgesellschaft. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU). Zuvor war er in verschiedenen Spitzenpositionen der Privatwirtschaft tätig, u. a. als Vorstandsvorsitzender der Paul Hartmann AG und von Private Equity Unternehmen. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, außerdem stellvertretender Sprecher des Public Advisory Board des CyberValley Tübingen Stuttgart. Seine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind Ethik in Unternehmen, Wirtschaftsanthropologie und Ethik der Künstlichen Intelligenz.

Herr Hemel, was bedeutet für Sie Good Leadership?

Für mich bedeutet Good Leadership das Schaffen und Durchhalten gemeinsamer Ziele, Werte und Überzeugungen.

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Hemel

Ich spreche hier gerne von einem „Haus der Ziele und Werte“, das uns eine Perspektive gibt, aber auch Freiheit lässt. Good Leadership führt zur Klarheit des Denkens und Handelns, aber auch zu wechselseitigem Vertrauen. Gerade in schwierigen Situationen gelingt es dann, kompetent und flexibel mit Hindernissen umzugehen und sich aufeinander verlassen zu können.

Welches Vorbild zu Good Leadership (Person, Institution etc.) haben Sie und warum?

In meinen frühen Berufsjahren hatte ich einen Vorgesetzten, der sich durch eine Mischung aus Scharfsinn, Neugier und Wohlwollen auszeichnete. Beim wechselseitigen Austausch stellte er immer wieder neugierige Fragen, die aber bald zu einem Dialog und oft zu besseren Erkenntnissen führten. Wir hatten teilweise unterschiedliche Ansätze und Schwerpunkte. Als ich einmal vorschlug, als Unternehmensberater für den Kunden nicht nur eine brillante Strategie zu entwickeln, sondern diese entgegen der damaligen Praxis auch umzusetzen, da fragte er nur: Können wir das? Ich bejahte, und der Vorgesetzte vertraute mir, mit großem Erfolg für alle Beteiligten.

 Welche persönlichen Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig für Good Leadership?

Zu den wesentlichen Eigenschaften einer kompetenten Führungsperson gehören das Interesse am Anderen, die Freude am Erfolg und eine Haltung, die dem anderen eine Chance gibt zu wachsen und sich zu entfalten. 

Am Ende geht es um einen guten Mix aus Menschenfreundlichkeit und Professionalität.

 

Fehlt die professionelle Seite, dann bleibt der Erfolg aus. Fehlt die menschliche Seite, dann kann der andere nicht gut wachsen und weiterkommen. Und schließlich gilt: Eine Führungskraft muss in der Lage sein, großzügig zu sein, denn nur wenn wir die Wärme einer großzügigen Einstellung spüren, wachsen wir Menschen über uns hinaus.

Wir sagen herzlich Danke. In der nächsten Folge sprechen wir mit Dr. Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseum Stuttgart.