Entrepreneurship als Förderfeld: Wenn Jessica Kuntz, verantwortlich bei der Karl Schlecht Stiftung für den Förderbereich Entrepreneurship, mit Geförderten spricht, ist sie jedes Mal aufs Neue beeindruckt von der Energie, dem Talent und der Überzeugung, die in den Teilnehmenden stecken.
Oft sind es Schülerinnen und Schüler oder sehr junge Menschen, die bereits ihren Weg in die Selbstständigkeit gehen. Sie nehmen die Doppelbelastung von Schule oder Ausbildung und Selbstständigkeit in Kauf, glauben fest an ihre Ideen und möchten nicht selten einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten. Doch auch Studierende und junge Berufstätige wagen neben Beruf und Studium immer wieder den Sprung ins Unternehmertum. Die Karl Schlecht Stiftung (KSG) unterstützt mit zahlreichen Programmen junge Menschen auf dem Weg dorthin. Für fast jede Zielgruppe gibt es ein passendes Förderprogramm. Neue kommen kontinuierlich hinzu.
Unternehmerisch frei sein und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, steht für viele Entrepreneure im Mittelpunkt. Doch dafür braucht es neben Mut und Disziplin auch unternehmerisches Denken, eine Schlüsselkompetenz, die es zu erlernen gilt. Die Karl Schlecht Stiftung hat diesen Bereich früh aufgegriffen und Entrepreneurship als eigenständigen Förderschwerpunkt in ihrem Bildungsportfolio etabliert. Unternehmerische Kompetenzen sollen auf diesem Weg systematisch entlang der Bildungskette von der Schule bis ins Berufsleben gestärkt werden.
„Ein Entrepreneur ist, wer auf dem Weg zu seiner Vision immer wieder über sich hinauswächst und dabei andere mitzieht, so dass alle gewinnen.“
Dipl.-Ing. Karl Schlecht, Stifter
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Dabei versteht die Stiftung Entrepreneurship nicht ausschließlich als Gründungsförderung. Vielmehr begreift sie unternehmerisches Denken als umfassendes Bildungsanliegen. Im Zentrum stehen Persönlichkeitsentwicklung, Problemlösungskompetenz und verantwortungsbewusstes Handeln.
„Uns geht es darum, jungen Menschen Möglichkeiten zur freien Entfaltung und zur Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu geben. Ähnlich einer “Sandbox” in der IT können sich junge Menschen in unseren Programmen in einem geschützten Rahmen ausprobieren. Wenn man jungen Talenten den nötigen Raum und ein förderndes Umfeld bereitstellt, entstehen mit Spaß und Gleichgesinnten die innovativsten Ideen”, betont Jessica Kuntz.
Begeisterung wecken für Unternehmertum beginnt in der Schulzeit
Deshalb setzt beispielsweise das Förderprogramm der „Entrepreneurship Talent Academy“ (ETA) früh an. Unternehmerisches Denken soll schon während der schulischen Bildungsphase verankert werden und richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Hier geht es nicht nur darum, das eigene Gründungstalent zu entdecken. Ebenso wichtig ist der Raum, eigene Ideen zu entwickeln und weiterzudenken. In einem mehrmonatigen Stipendienprogramm erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die Start-up-Welt und tauschen sich mit Gleichgesinnten sowie Expertinnen und Experten aus.
„Wenn man jungen Talenten den nötigen Raum und ein förderndes Umfeld bereitstellt, entstehen mit Spaß und Gleichgesinnten die innovativsten Ideen“
Jessica Kuntz
Edith Wolf, Vorständin der Vector Stiftung mit Jessica Kuntz \ © Bild: YEEP / NXTGNVielfältige Programme für junge Talente
Aktuell fördert die Stiftung über zehn Programme, die sich gezielt an junge Menschen richten. Ihr gemeinsames Ziel ist die Entwicklung unternehmerischer Persönlichkeiten. Immer wieder entstehen neue Formate, denn Entwicklung und Innovation benötigen Raum, Experimentierfreude und den Mut, neue Wege zu gehen. Bei früheren Programmen wie dem HEED, (Institute for Human Engineering & Empathic Design) in Pforzheim arbeiteten multidisziplinäre Teams aus drei Fakultäten Technik, Wirtschaft & Recht sowie Gestaltung zusammen, um voneinander und miteinander zu lernen. Dieses Zusammenwirken bündelte unterschiedliche Kompetenzen, ermöglichte einen lebendigen Austausch und eröffnete neue Perspektiven. Während des Förderzeitraums entstanden beim HEED über zwanzig Formate, an denen mehr als 5.000 Studierende und andere junge Menschen teilnehmen konnten.
Unternehmertum braucht sowohl individuelle Förderung als auch gemeinschaftliche Lern- und Entwicklungsräume
Damit keine Lücke zwischen Schulzeit und Berufsleben offenbleibt, ist im Jahr 2024 eine weitere Initiative hinzugekommen, das die KSG zusammen mit der Vector-Stiftung fördert. „YEEP“, so die Abkürzung für „Young Entrepreneurs Excellence Program“, wurde von der Universität Stuttgart, der Hochschule der Medien und dem NXTGN Konsortium konzipiert und umgesetzt. Das Programm richtet sich an ausgewählten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die erste unternehmerische Vorerfahrungen haben und bietet ihnen eine außerschulische Förderung für einen möglichen unternehmerischen Bildungs- und Berufsweg. Im ständigen Austausch mit der Zielgruppe und den Partnern wurde die Lücke erkannt, die während der letzten Schuljahre bei gründungswilligen jungen Erwachsenen entsteht:
“Als wir YEEP konzipierten stellten wir fest, dass es zwar einige sehr gute und erfolgreiche Sensibilisierungs- und Förderprogramme im Entrepreneurship Education Bereich gibt, jedoch keines das motivierte Talente über den schulischen Kontext hinaus über einen längeren Zeitraum begleitet und fördert. Hier setzt YEEP an und unterstützt junge Menschen ein Jahr lang, während ihrer Schulzeit bis hin zum Studium, Beruf oder ihrer unternehmerischen Wirksamkeit”, so Jessica Kuntz.
YEEP eröffnet den Teilnehmenden Zugang zu wertvollen Netzwerken. Inhaltlich verbindet das Programm mehrere zentrale Themenfelder. Dazu zählen Technologie, Management, Innovation sowie Unternehmertum. Neben grundlegenden Pflichtmodulen können Schülerinnen und Schüler zusätzliche Wahlmodule belegen. Die sogenannten “Add-On-Module" ermöglichen es ihnen, individuelle Schwerpunkte zu setzen und das Programm entsprechend ihrer persönlichen Interessen und Fähigkeiten zu gestalten. Das Programm wird in diesem Jahr zum dritten Mal durchgeführt. Der Bewerbungszeitraum für Batch #3 läuft noch bis zum 30.6.2026 (Young Entrepreneurs Excellence Program (YEEP) – NXTGN)
YOU! Persönlichkeitsentwicklung trifft Unternehmertum \ © Bild: YOU! Persönlichkeitsentwicklung trifft UnternehmertumOrientierung und Talententwicklung
Andere aktuelle Programme wie “ YOU! Persönlichkeitsentwicklung trifft Unternehmertum” ermöglichen Jugendlichen ihre Stärken und Talente bewusster wahrzunehmen. Erfahrene Coaches begleiten sie durch diesen Prozess. Im Lehrplan der meisten Schulen bleibt für solche Themen meist wenig Raum. Die Programme schaffen daher ergänzende Lernorte außerhalb des regulären Unterrichts. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in den Alltag von StartUps, erleben unternehmerische Praxis aus nächster Nähe und können besser reflektieren, ob dieser Weg für sie persönlich in Frage kommt.
Future Founders Initiative \ © Bild: Future Founders InitiativeDer Gründungswille ist bei der jungen Generation vorhanden
Die aktuelle Studie „Young Economy Tracker“ der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass junge Menschen gerne mehr als aktive Partner bei gesellschaftlichen Entwicklungen eingebunden werden möchten, denn Wirtschaft geht nicht nur Erwachsene etwas an. Ehemalige junge Geförderte der Karl Schlecht Stiftung nehmen diese Verantwortung selbst in die Hand und gründen eigene Initiativen wie die „Future Founders Initiative (FFI)“. Sie zielen auf junge Talente mit Innovationsinteresse und verbinden Mentoring, Projektarbeit und Netzwerkzugang. Die Stiftung begrüßt und unterstützt solche Vorhaben.
“Es ist einfach großartig zu sehen, wie aus unseren Förderprogrammen durch die Initiative von ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten wieder neue eigene Initiativen entstehen. Das ist unternehmerische Selbstwirksamkeit at its best”, betont Jessica Kuntz freudig.
Die Relevanz der KSG-Förderansätze spiegelt sich ebenfalls in den empirischen Befunden der Bertelsmann-Studie wider. Sie zeigt, dass junge Menschen in Deutschland ein hohes Interesse an unternehmerischer Selbstständigkeit haben, zugleich aber strukturelle Hürden wahrnehmen. Bildungsinstitutionen spielen dabei eine zentrale Rolle, um unternehmerische Kompetenzen frühzeitig zu vermitteln und realistische Perspektiven zu eröffnen.
Campusfounders
SciencepreneursEin wachsendes Ökosystem
Das Ökosystem aus schulischer Bildung, Entrepreneurship und Unternehmertum gleicht einem jungen Pflänzchen. Es muss von Beginn an, an der Wurzel gut angelegt und gestärkt werden. Mit dem nötigen Rüstzeug kann es wachsen und gedeihen und sich in einer zunehmend komplexer werdenden Welt behaupten.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich die KSG als Akteurin im Bereich systemischer Bildungsinnovation. Dazu gehört auch die Förderung der „Campus Founders“ in Heilbronn. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Leadership Kompetenz der jungen Gründerinnen und Gründern, die unternehmerische Führung in Start-up-Strukturen entwickeln sollen. So soll eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten ausgebildet werden, die fachliche Exzellenz mit sozialer Verantwortung und Gestaltungswillen verbindet.
Manchmal bedarf fachliche Exzellenz zusätzlicher Unterstützung, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu gestalten. Genau hier setzt das geförderte Projekt „Sciencepreneurs“ in Kooperation mit der UnternehmerTUM in München an. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in tragfähige Geschäftsmodelle zu überführen. Hier ist die UnternehmerTUM, zum 3. Mal in Folge “Europe’s Leading Start-up Hub”, führend.
Angesprochen werden insbesondere junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie sollen dabei unterstützt werden, das Potenzial ihrer Forschung klarer zu erkennen und dieses idealerweise in eine eigene Gründung zu überführen. Dies erfolgt durch praxisnahe Workshops sowie durch individuelle Begleitung.
“Der Transfer aus der Forschung in die unternehmerische Praxis ist der wichtigste Wachstumshebel, den wir in Deutschland haben." Prof. Dr. Helmut Schönenberger, CEO UnternehmerTUM und Kuratoriumsmitglieder der KSG
Gemeinsam entsteht so ein lebendiges Ökosystem, das den Weg von der Forschung in den Markt beschleunigt, wirkungsorientiertes Unternehmertum fördert und einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft leistet.
"Entrepreneurship war der Ursprung der KSG - die Förderung junger Menschen in diesem Feld ist damit fest in unserer DNA verwurzelt."
Dr. Philipp Bocks, Vorstand KSG
v.l.n.r: Simone Harr Campus Founder), Jessica Kuntz (KSG),Lisa Damm (UnternehmerTUM), Christina Fernandes Lopes (viewchanger), Valeria Levtchenko (YEEP) \ © Bild: Jean Claude WinklerLangfristiger Bildungsansatz der KSG
Die Stiftung verfolgt, wie die bisherigen Beispiele gezeigt haben, einen langfristig angelegten Bildungsansatz, der den Bereich Entrepreneurship in die moderne Bildung der jungen Generation integriert. „Wir verstehen Unternehmertum in unseren Programmen nicht ausschließlich als Gründung eines Unternehmens sondern als Kompetenz- und Denkrahmen”, fasst Jessica Kuntz zusammen. “Uns geht es darum, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten und zu stärken und ihnen die nötigen Zukunftskompetenzen an die Hand zu geben. Ob als Entrepreneur, Intrapreneur oder Unternehmer des eigenen Lebens; Entrepreneurship Education schafft Zugänge zu ganz neuen Denk- und Handlungsweisen und eröffnet so Zukunfts- und Berufschancen.”
"Entrepreneurship war der Ursprung der KSG - Die Förderung junger Menschen in diesem Feld ist damit fest in unserer DNA verwurzelt." Dr. Philipp Bocks, Vorstand KSG
So steht der Förderbereich Entrepreneurship zwar als eigenständiger Bereich innerhalb der Stiftung, ist jedoch integraler Bestandteil eines Förderportfolios, in dem unternehmerisches Denken ganz im Sinne von “Good Leadership” bereichsübergreifend mit den Förderschwerpunkten Ethik, Leadership, Kultur und Technik in Beziehung gesetzt wird.
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