LTA / Online, Batch #2 feiert Abschluss. Ein Rückblick. Von April bis Juli 2026 haben 25 Nachwuchsführungskräfte das hybride Leadership-Programm der Karl Schlecht Stiftung durchlaufen: drei Präsenztage in Stuttgart, drei Online-Sessions, digitale Lerneinheiten und persönliches Coaching. Ein Rückblick auf vier Monate.
Am ersten Präsenztag im Hospitalhof in Stuttgart war die Stimmung zunächst ruhig und zurückhaltend. 25 junge Führungskräfte, die sich bis dahin nur als Kacheln in einer Videokonferenz kannten, begegneten sich erstmals persönlich. Nach der Begrüßung durch Katharina Springwald, Senior-Referentin für Leadership bei der KSG, und der Vorstellungsrunde war das Eis schnell gebrochen. Die Gruppe fand zusammen, und es entstand ein reger Austausch, der die kommenden Wochen prägte.
Wer waren diese 25 Stipendiatinnen und Stipendiaten? Sie kamen aus Handwerk, Familienunternehmen, Technologie und KI, Bildung, Automobil, Industrie und Medizin. Manche führten bereits ein Unternehmen oder Team, andere standen kurz davor. Alle waren zwischen 25 und Anfang 30 – mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen in Führung. Genau dieser Mix war für viele der eigentliche Gewinn. „So viele unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Richtungen, die so viel Erfahrung mitbringen und doch so offen und freundlich sind, dass man sich direkt wohlgefühlt hat“, sagt Louis Rebmann, 29, Geschäftsführer eines Schreinereibetriebs.
Modul 1: Führung und Selbstführung
Den ersten Präsenztag leitete Trainerin Simone Ramelsberger. Es ging um Fragen, für die selten Zeit bleibt: Welche Führungsrollen gibt es und wann ist welche gefragt? Was bedeutet Zuhören für eine Führungskraft? Wann delegiere ich, und wie gelingt es richtig? Der Schwerpunkt lag auf Führung auf Augenhöhe. Ein Tag der Aha-Momente: „Bei manchen Verhaltensweisen, bei denen sie gesagt hat, so geht es nicht, hat man sich dann doch ertappt“, erzählt Caroline Abele, 28, Teamleiterin bei einem Elektrotechnik-Komplettdienstleister, „und bei anderen denkt man: Das mache ich eigentlich ganz gut.“ In den anschließenden Online-Lerneinheiten ging es nach innen: um den Zusammenhang von Emotionen, Motivation und innerer Kraft, um Werte, Stärken und persönliche Antreiber. Am Ende von Modul 1 stand die eigene Leadership-Kompassnadel, eine persönliche Standortbestimmung, die Orientierung geben soll, wenn es im Alltag schnell gehen muss.




Zwischen den Modulen
Das Programm lebt von dem, was zwischen den Präsenztagen passiert. Die digitalen Lerninhalte sind jederzeit und überall verfügbar. Dazu kommen drei interaktive Online-Sessions, ein fester Buddy und persönliches Coaching.
Gerade das Coaching wurde für viele zum Herzstück. „In drei Einzelterminen hatte ich die Möglichkeit, Themen, die mich bewegt haben, in Ruhe aufzuarbeiten“, sagt Felix Brechtken, 29, IT-Projektleiter in der Automobilindustrie.
Modul 2: Business Ethics
Als Führungskraft muss man jeden Tag Entscheidungen treffen, oft mit sehr großer Tragweite – und solche, bei denen schwierige Dilemmata auftreten. Das Modul „Business Ethics“ bereitet die Stipendiaten auf genau diese Konfliktsituationen vor. Sie lernten, ethisch sprach- und handlungsfähig zu sein und entwickelten so ihr ethisches Konfliktvermögen. Es besteht aus einem Präsenztag, digitalen Lerneinheiten und einem abschließenden Online-Meeting.
Die inhaltliche Verantwortung des Moduls lag bei Prof. Dr. Dres. h.c. Klaus M. Leisinger, anerkannter Wissenschaftler und UN-Berater für Wirtschaftsethik und früher leitende Führungskraft in einem internationalen Chemiekonzern (siehe auch Klaus Leisinger | Karl Schlecht Stiftung).
Nach vielfältigem und intensivem Fachinput wurden die Stipendiaten aufgefordert, Business Cases zum integren Handeln zu bearbeiten. Angeleitet wurden sie dabei von einem Fragenschema, das Prof. Leisinger entwickelt hat und das die einzelnen Aspekte am Ende zur Kernfrage verdichtet: „Welche Entscheidung ist unter Abwägung aller Folgen die verantwortungsvollste?“
Fazit: Ethische Sprachfähigkeit entsteht nicht im stillen Einverständnis, sondern dort, wo man eine Position begründen und eine andere ernst nehmen muss. Wer sich dessen bewusst ist, geht anders in die nächste schwierige Entscheidung.

Modul 3: Kollegiale Fallberatung
Der letzte Präsenztag gehörte der Methode der Kollegialen Fallberatung, konzipiert und geleitet von Anke Wagner, Beraterin für Prozessbegleitung und Expertin für Führungskräfteentwicklung. Führungskräfte bringen dabei eine echte Herausforderung aus ihrem Alltag ein, die Gruppe reflektiert gemeinsam, moderiert, bildet Hypothesen und entwickelt neue Perspektiven. Am Ende steht kein Ratschlag von außen, sondern ein Repertoire an Möglichkeiten, aus dem der Fallgeber schöpfen kann.
Die Fälle, die an diesem Tag auf dem Tisch lagen, waren echt, und sie bleiben vertraulich. Was in diesen Runden besprochen wurde, bleibt in diesen Runden. Genau diese Vertraulichkeit ist Voraussetzung dafür, dass die Methode funktioniert, im Seminarraum wie später im eigenen Unternehmen.
Für Felix war das der Kern des ganzen Programms: „Es wird ganz explizit Raum geschaffen, Probleme offen anzusprechen. Und festzustellen: Das ist normal, das begegnet anderen genauso. Darüber zu reden ist keine Schwäche.“
Der Abschluss
Und dann wurde es besonders. Zum Ende überreichten sich die Teilnehmenden die Zertifikate gegenseitig, jede und jeder dem eigenen Buddy. Ein persönlicher, bewegender Moment unter Menschen, die gemeinsam gewachsen sind. Ein Moment, der mehr über dieses Programm sagt als jede Urkunde: Am Ende steht nicht die Bestätigung von oben, sondern die Anerkennung durch jemanden, der den Weg mitgegangen ist.
„Es wird ganz explizit Raum geschaffen, Probleme offen anzusprechen. Und festzustellen: Das ist normal, das begegnet anderen genauso. Darüber zu reden ist keine Schwäche.“
Felix Brechtken
Was bleibt
Was aus Batch #2 am häufigsten genannt wird, ist nicht ein einzelnes Modell und nicht ein einzelnes Tool. Es ist der Dialog miteinander.
„Es ist unglaublich wertvoll, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Ziele haben und an ähnlichen Punkten im Leben stehen“, sagt Yannick Schult, 25, Referent für Organisationsentwicklung. „Ideen und Perspektiven auszutauschen, aber auch Ängste.“ Was er selbst mitgenommen hat, beschreibt er als Selbstwirksamkeit: das Gefühl, Dinge wirksam angehen und gestalten zu können.
Victoria Faulstich, 27, freiberufliche Trainerin, hat aus dem Programm einen sehr praktischen Vorsatz mitgenommen: „Lieber anfangen, machen, ausprobieren und dann im Team anpassen, was nicht funktioniert.“ Ihre zweite Erkenntnis betrifft das Führen selbst. Aus der Leitung eines europaweiten Teams weiß sie, wie schwer es ist, Menschen über Distanz zu motivieren, wenn man das Persönliche vernachlässigt. „Wenn Menschen sich kennen und sich verbunden fühlen, hat das eine riesige Auswirkung auf die Motivation.“
Charlotte Effenberger, 30, User Assistance Developer in einem IT-Unternehmen, sagt es am prägnantesten: Sie nehme viel mit für ihr Berufsleben und sogar für ihr Privatleben. Und auf die Frage, warum junge Führungskräfte ein solches Programm brauchen: „Weil Good Leadership wirklich die Welt verändern kann.“
Und mit den Worten „ein Netzwerk wie dieses ist unglaublich wertvoll. Nutzt es. Tauscht euch aus. Lernt voneinander. Unterstützt euch gegenseitig. Gute Führung entsteht selten allein – sie wächst im Dialog mit anderen“ beendet Katharina Springwald die LTA/Online Batch #2.
Ausblick
Bleibt dran: die LTA / Online ist eine Erfolgsgeschichte und wird weitergeschrieben. Mehr Infos dazu folgen Anfang 2027.

























