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Gesunde Führung lernen: Wie sich das LPCU für eine gesündere Arbeitswelt einsetzt

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© Webseite LPCU
09.07.2026

Die mentale und körperliche Gesundheit in der Arbeitswelt gehörte zu den Themen, die den Stiftungsgründer Karl Schlecht insbesondere in den letzten Jahren seines Wirkens beschäftigt haben. 

Prof. Dr. Harald Gündel \ © Bild: LPCU

Früh erkannte er, dass wirtschaftlicher Erfolg und die Gesundheit von Mitarbeitenden und Führungskräften untrennbar miteinander verbunden sind. Aus dieser Überzeugung heraus unterstützt die Karl Schlecht Stiftung bereits seit 2017 gemeinsam mit dem Leadership Personality Center Ulm (LPCU) Projekte, die gesundheitsfördernde Führung und psychosoziale Kompetenz in Unternehmen stärken sollen. Geleitet wird das Institut von Prof. Dr. med. Harald Gündel, Dr. med. Michael Hölzer und Geschäftsleiter Sven Schneider.

Transformation, wirtschaftlicher Druck und gesellschaftliche Unsicherheit verändern die Arbeitswelt tiefgreifend. Führungskräfte stehen heute vor der Herausforderung, nicht nur wirtschaftliche Ziele zu erreichen, sondern gleichzeitig an einer klaren und vertrauensvollen, teamorientierten Organisationskultur zu arbeiten: also z.B. Orientierung zu geben, Konflikte zu moderieren und psychische Gesundheit im Blick zu behalten. Für diese Herausforderungen müssen Führungskräfte heute stärker denn je gewappnet sein.  

„Der Mensch kann nur so gut funktionieren, wie er ausgestattet und beschaffen ist.“ 

Karl Schlecht, Stifter

Das Thema „Gesundheit und Arbeitswelt“ ist im Förderbereich Leadership verankert und hat aufgrund seiner Bedeutung bereits eine lange Fördertradition. In den letzten Jahren seines Schaffens widmete sich Karl Schlecht dem übergeordneten Thema ganzheitliche Gesundheit. Seine Überzeugung war: Der Mensch kann nur so gut funktionieren, wie er ausgestattet und beschaffen ist. Körper und Geist müssen im Einklang und gesund sein, um gute Leistungen zu erbringen. Aus dieser Vision heraus handelt das LPCU.

Aufgebaut wurde das Institut als interdisziplinäres Kompetenzzentrum am Universitätsklinikum Ulm auf Initiative des Stifters Karl Schlecht. Seit fast 10 Jahren entwickelt das LPCU neue Konzepte für gesundheitsfördernde Führung. Über mehrere Förderphasen hinweg hat sich das Institut kontinuierlich weiterentwickelt. Aus ersten praxisnahen Schulungsangeboten ist inzwischen ein umfassender Ansatz entstanden, der gesundheits- und teamorientierte Führung, emotionale Kompetenz und psychosoziale Gesundheit systematisch zusammendenkt. Der Ansatz verbindet psychosomatische Medizin, Arbeitsmedizin und Führungskräfteentwicklung miteinander.

Drei Phasen der Entwicklung

In der ersten Förderphase von 2017 bis 2021 lag der Fokus auf der evidenzbasierten Entwicklung betriebsnaher Interventions- und Schulungsmodelle. Themen wie Stressprävention, gesundes Führen und psychosomatische Unterstützung im Betrieb standen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurden Betriebsmedizinerinnen und Betriebsmediziner weiterqualifiziert, unter anderem über den Zusatztitel „Fachgebundene Psychotherapie“. Ziel war es von Beginn an, psychische Belastungen im Arbeitsalltag nicht isoliert zu betrachten, sondern stärker mit Führungsverhalten und Unternehmenskultur zu verbinden.

In der zweiten Phase von 2022 bis 2024 wurden die Inhalte gezielt weiterentwickelt. Der Schwerpunkt verlagerte sich stärker auf bindungsorientierte Führung, emotionale Kompetenz und Selbstreflexion. Gleichzeitig entstand die Pilotausbildung der sogenannten Führungskräftewerkstatt. Hinzu kam der Aufbau einer interdisziplinären Arbeits- und Steuergruppe aus Fachleuten verschiedener Disziplinen. Die bisherigen Erfahrungen zeigten deutlich: Kurzfristige Seminare allein reichen häufig nicht aus, um nachhaltige Veränderungen im Führungsverhalten zu erreichen.

2025 startete die nächste Entwicklungsstufe des LPCU. In der aktuellen Förderphase, die zunächst bis 2028 läuft, sollen langfristige und kontinuierliche Formate etabliert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die „Führungskräftewerkstatt 2.0“. Führungskräfte arbeiten hier über mehrere Module hinweg an konkreten Situationen aus ihrem Berufsalltag. Themen sind unter anderem Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Entscheidungen unter Stress, Teamdynamiken sowie psychische Belastungen wie Burnout oder Mobbing. Der Ansatz verbindet fachlichen Input mit fallorientierter Gruppenarbeit und Selbstreflexion.

„Wir fördern die seelische und körperliche Gesundheit am Arbeitsplatz“

Mission-Statement des LPCU

Warum Kurse allein nicht mehr reichen

Ergänzend entsteht ein speziell für Betriebsmedizinerinnen und Betriebsmediziner entwickeltes Curriculum. Dieses soll Kompetenzen im psychosozialen und kommunikativen Bereich stärken, etwa bei der Früherkennung psychischer Belastungen, der Moderation von Gesundheitszirkeln oder der Durchführung psychischer Gefährdungsbeurteilungen.

Neu ist außerdem das durch ArbeitsmedizinerInnen selbst durchgeführte Führungskräfte-Coaching mit dem Schwerpunkt „teilnehmende Beobachtung“. Dabei werden Führungskräfte von den zuständigen ArbeitsmedizinerInnen in ihrem beruflichen Alltag für die Dauer von etwa drei Monaten (bis zu sechs Gespräche) begleitet. Dabei wird zentral auf die Feldkompetenz der Arbeitsmediziner gesetzt, die im Unterschied zu „eingekauften“ Coaches von außen gerade den beruflichen Alltag ihrer Coachees gut kennen und Führungskräfte bei Gelegenheit auch vor Ort aufsuchen können, um in der Realität deren individuelle Kommunikations- und Verhaltensmuster kennenzulernen und besser zu verstehen. Ziel der Schulung daran interessierter  Arbeitsmediziner ist es, Veränderungsprozesse bei Führungskräften nachhaltig und damit langfristig im Arbeitsalltag zu verankern.

Psychische Gesundheit wird Führungsaufgabe

Im aktuellen Förderzeitraum sollen mit der Führungskräftewerkstatt bis zu 450 Führungskräfte sowie rund 80 Betriebsmedizinerinnen und Betriebsmediziner erreicht werden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass gerade in Zeiten von Strukturwandel, Unsicherheit und wachsendem Druck die Qualität von Führung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Führungskräfte müssten heute lernen mit Unsicherheit umzugehen, Konflikte konstruktiv zu begleiten und gleichzeitig ihre eigene Belastung zu reflektieren. Mit der aktuellen Weiterentwicklung des LPCU entsteht nicht nur ein neues Fortbildungsangebot, sondern langfristig ein umfassendes Kompetenz- und Innovationszentrum für gesundheitsfördernde Führung in der Arbeitswelt.

Text: Dr. Sofia Delgado
Bilder: LPCU