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Vom Schülerprojekt zum Unternehmen

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© Milan von dem Bussche /QiTech
23.06.2026

Wie Milan von dem Bussche aus einem Schülerprojekt ein Unternehmen machte. Interview mit dem Gründer von QiTech Maschinenbau - Maschinen-Software & Produktionsanlagen.

Als Unternehmer musst du die Probleme selbst erkennen und selbst lösen, ohne dass dir jemand sagt, was als Nächstes dran ist.

Milan von dem Bussche
Gründer & Maschinenbauer

Gründen in jungen Jahren gleicht manchmal einer Reise voller Abenteuer, aber auch mancher Hindernisse. Schlaflose Nächte und Euphorie gehen einher mit Rückschlägen und Ängsten. Milan von dem Bussche kann davon ein Lied singen. Er war noch Schüler, als er sein erstes Unternehmen gründete.

Im Rahmen des Entrepreneurship Education Fonds der Stiftung Bildung, den die Karl Schlecht Stiftung seit 2018 unterstützt, bekam er 2019 eine finanzielle Förderung für seine Idee im Bereich Kreislaufwirtschaft. Aus dem ursprünglichen Ansatz, Plastikabfälle in neue Produkte zu überführen, entstand sein Start-up. Wie Bill Gates es mit Microsoft bereits vormachte, begann auch bei Milan das Tüfteln in der häuslichen Garage. Heute hat sich daraus ein wachsendes Industrieunternehmen entwickelt:  die QiTech GmbH sowie die QiTech Industries, welche Milan nun nach seinem Ingenieursstudium führt. 

© Bild: Milan von dem Bussche/QiTech

KSG: „Welche Rolle spielte das Startkapital der Stiftungen, wie hat sich das Geschäftsmodell verändert und wo steht Milan heute, das erfahren wir im Interview mit ihm.“

Milan von dem Bussche (MvdB): „Im Sommer 2019 hatten wir gerade „Jugend gründet“ gewonnen und standen vor der Entscheidung: Haken wir das Ganze als Schulprojekt ab oder versuchen wir, daraus eine echte Firma zu machen? Die Zusage der Karl Schlecht Förderung hat uns dann das Sprungbrett gegeben, um weiterzumachen. Wir haben in Motoren und Bauteile investiert und daraus die ersten Maschinen gebaut. Aus dieser Garagenentwicklung ist unsere heutige Serienproduktion mit weltweiten Umsätzen entstanden.“

KSG: „Du hast mit 15 Jahren im Rahmen von „Jugend gründet“ begonnen und mit 16 Qitech gegründet. Welche Entscheidungen aus dieser frühen Phase waren rückblickend besonders prägend für den weiteren Weg?“

(MvdB): „Die prägendste Entscheidung war, von Anfang an alles offen und transparent auf YouTube und Social Media zu zeigen. Das machen wir bis heute, mittlerweile sind wir einer der größten YouTube-Kanäle im deutschsprachigen Raum. Darauf sind viele Kooperationen und ein richtig starkes Team entstanden. Diese Offenheit war rückblickend einer der wichtigsten Hebel für alles, was danach kam.“

KSG: „Aus einer Idee zur Verwertung von Plastikabfällen ist ein Industrieunternehmen für 3D-Druck-Filamente und Maschinenbau entstanden. Ab welchem Punkt hat sich das Geschäftsmodell entscheidend verändert?“

(MvdB): „Der Wandel kam komplett über das Feedback auf YouTube und Social Media. Die Leute haben die Videos gesehen und wollten gar nicht das Filament kaufen, sondern direkt die ganze Filament-Anlage. Das Besondere an unseren Maschinen war dabei schon immer die schlaue Software dahinter. Heute hat sich das Geschäftsmodell noch weiter entwickelt: Wir verkaufen mittlerweile auch die Maschinen-Software, das macht inzwischen rund 30 Prozent vom Umsatz aus.“

© Bild: Milan von dem Bussche/Qitech

KSG: „Es ist normal, dass bei Start-ups nicht alles von Anfang an rund läuft. Welche Rolle spielen Fehler oder Umwege bei dir? Wie gehst du mit Niederlagen um?“

(MvdB): „Niederlagen oder Absagen lösen bei mir ehrlich gesagt eher Motivation aus, ich will mich dann erst recht beweisen. Ein gesundes Stück Ego gehört da dazu, das will ich gar nicht verstecken. Was nicht funktioniert, sehe ich weniger als Scheitern, sondern als Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen. Diese Trotzreaktion hat uns über manche schwierige Phase getragen.“

KSG: „Welche Fähigkeiten hast du als Unternehmer gelernt, die dir keine Schule vermitteln konnte?“

(MvdB): „Vor allem, selbstmotiviert zu sein. In der Schule arbeitet man die Aufgaben ab, die der Lehrer vorgibt. Als Unternehmer musst du die Probleme selbst erkennen und selbst lösen, ohne dass dir jemand sagt, was als Nächstes dran ist. Diese Eigeninitiative kann man schlecht unterrichten, die lernt man nur, indem man es macht. Das ist für mich die wichtigste Fähigkeit, die das Gründen mir beigebracht hat.“

KSG: „Welche Herausforderungen stehen aktuell im Vordergrund bei der QiTech GmbH, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Innovation, Skalierung und Produktion?“

(MvdB): „Die größte Herausforderung ist, dass mein persönliches Wachstum mit dem Wachstum des Unternehmens mithalten muss. Eine Firma mit ein paar Leuten führt man anders als eine, die immer größer wird. Ich muss mich also ständig selbst weiterentwickeln, um der Rolle gerecht zu werden. Gleichzeitig wollen wir technologisch vorne bleiben und trotzdem zuverlässig produzieren und ausliefern. Dieses Spannungsfeld auszubalancieren, ohne die Geschwindigkeit zu verlieren, die uns ausmacht, ist die eigentliche Aufgabe.“

„Fang einfach an, bleib dran und such dir eine Gruppe Gleichgesinnter, die auch etwas verändern wollen.“

Milan von dem Bussche

KSG: „Im Jahr 2020 hast Du uns bereits ein Interview gegeben und auf die Frage, was Entrepreneurship Education für Dich bedeutet, geantwortet, „ohne Risiko das eigene Durchhaltevermögen testen zu können“. Siehst Du das heute genauso oder hat sich mit der Zeit deine Einstellung verändert?“

(MvdB): „Im Kern sehe ich das immer noch so. Ich würde es heute aber ergänzen: Entrepreneurship Education ist vor allem Learning by Doing. Man lernt das Unter-nehmertum nicht aus Büchern, sondern indem man es einfach macht, Fehler inklusive. Genau dafür ist so ein geschützter, risikoarmer Rahmen am Anfang Gold wert.“

KSG: „Wenn du heute dem 16-jährigen Milan begegnen würdest, der gerade seine erste Geschäftsidee entwickelt, welchen Rat würdest du ihm mit auf den Weg geben?“

(MvdB): „Stress dich nicht länger als fünf Minuten über Dinge, die in fünf Jahren sowieso keine Rolle mehr spielen. Vieles, was sich in dem Moment riesig anfühlt, ist im Rückblick völlig egal. Fang einfach an, bleib dran und such dir eine Gruppe Gleichgesinnter, die auch etwas verändern wollen.“
 
KSG: „Wir sagen herzlich Dankeschön für das Interview und wünschen Dir auf Deinem weiteren Weg viel Erfolg!“

Text/Interview: Dr. Sofia Delgado