Ein Gespräch mit Dr. Daniel Rau über Führung, Förderung und Verantwortung.
Dr. Daniel Rau gehört zu jener kleinen Gruppe hochqualifizierter Nachwuchsführungskräfte, die über viele Jahre hinweg verschiedene Förderprogramme der Karl Schlecht Stiftung durchlaufen haben. An der Bayerischen EliteAkademie (BEA) durfte er dank seiner herausragenden Leistungen als Student die studienbegleitende Ausbildung „werteorientierte Führung und Verantwortung“ mitmachen. Später nahm er an der Leadership Talent Academy (LTA) der Karl Schlecht Stiftung teil und war 2025 auch Stipendiat der renommierten Bucerius Summer School (BSS), bei der eine Teilnahme ausschließlich durch Empfehlung zustande kommt.
Seit November 2025 verantwortet Daniel Rau als “Head of Infrastructure & Finance“ eine IT-Abteilung bei der Allianz. Die Förderungen, die er erfahren durfte, prägen seinen Blick auf Leadership, Zusammenarbeit und den eigenen Karriereweg. Wir sprachen mit ihm darüber, wie die Programme seine Entwicklung beeinflusst haben und welche Bedeutung er der Idee verantwortungsvoller Führung beimisst.
„Mir meiner Werte und Grundüberzeugungen bewusst zu sein, gibt mir die nötige Orientierung, um auch in turbulenten Zeiten fundierte Entscheidungen zu treffen.“
Dr. Daniel Rau
KSG: „Herr Dr. Rau, Sie haben sowohl BEA als auch LTA durchlaufen und waren später Teilnehmer der Bucerius Summer School. Wie ordnen Sie die Programme im Rückblick inhaltlich ein, aber auch hinsichtlich ihrer Wirkung auf Ihre berufliche und persönliche Entwicklung?“
Dr. Daniel Rau (DR): „Die drei Programme ergänzen sich hervorragend. In ihrer Summe haben sie meine Entwicklung – beruflich wie privat – maßgeblich geprägt. Die Bayerische EliteAkademie (BEA) legte während meines Studiums das entscheidende Fundament. Dort stand die Ausbildung hin zu einer werteorientierten und verantwortungsbewussten Führung im Mittelpunkt, die mir heute als unverzichtbarer Kompass dient. Mir meiner Werte und Grundüberzeugungen bewusst zu sein, gibt mir die nötige Orientierung, um auch in turbulenten Zeiten fundierte Entscheidungen zu treffen. Aus dem lebendigen Netzwerk der BEA schöpfe ich auch heute noch Energie und erhalte regelmäßig frische Impulse. Die Leadership Talent Academy (LTA) wiederum ermöglichte mir den intensiven Austausch mit anderen jungen Führungskräften. In diesem geschützten Raum und begleitet durch individuelles Coaching konnte ich meine Persönlichkeit und mein Führungsverhalten kritisch reflektieren. Die Bucerius Summer School (BSS) schließlich weitete den Blick auf die globale Ebene. Der Austausch mit internationalen Entscheidungsträgern, z.B. über die Grundfeste unserer Demokratien, geopolitische Konflikte und deren Auswirkungen auf unser aller Leben war tief beeindruckend. Diese Erfahrung hat mir nachhaltig vor Augen geführt, dass Führung immer auch eine Verantwortung in einem größeren gesellschaftlichen Kontext bedeutet.“
© Bild: David Aussenhofer / Zeit Stiftung BuceriusKSG: „Die Bucerius Summer School gilt als besonders exklusiv, da man nur auf Empfehlung aufgenommen wird. Welche Bedeutung hatte dieser Auswahlprozess für Sie und wie haben Sie die Atmosphäre innerhalb der Gruppe erlebt?“
DR: „Vor dem Auswahlprozess hatte ich gehörigen Respekt. Ich hatte gehört, dass es jedes Jahr deutlich mehr Nominierungen als Plätze gibt. Für die Bewerbungsunterlagen habe ich mir daher bewusst Zeit genommen, mein Wirken und meine Ziele zu reflektieren und nachvollziehbar auf Papier zu bringen. Umso dankbarer war ich, daraufhin eine der begehrten Zusagen erhalten zu haben. Die Atmosphäre vor Ort war schlichtweg herausragend. Das inhaltliche Spektrum reichte von intensiven politischen Sachdiskussionen bis hin zu Impulsen aus Kunst und Kultur an eindrucksvollen Orten wie dem Kanzleramt, dem Europäischen Hansemuseum oder der Elbphilharmonie.
Die Teilnehmenden kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen: von der NATO, UN und WHO über Investigativreporter und Diplomaten fremder Staaten bis hin zu Führungskräften globaler Konzerne. Ihre persönlichen Geschichten und Perspektiven waren mindestens so elektrisierend wie der Austausch mit den erfahrenen Entscheidungsträgern aus Politik und Gesellschaft. Trotz der internationalen Hintergründe einte uns alle das Ziel, in unseren jeweiligen Rollen einen positiven Beitrag zur Welt von morgen zu leisten. Dieser Geist einer engagierten Weltgemeinschaft hat mich tief beeindruckt und wirkt bis heute nach.“
KSG: „Ihre Laufbahn wirkt zielgerichtet und konsequent. Ist Ihnen dieser Weg leichtgefallen oder würden Sie sagen, dass Ihre Karriere vor allem auf Ausdauer, Disziplin und kontinuierlicher Arbeit beruht?“
DR: „Ein Lebenslauf sieht von außen gerne mal nach „gut geplant“ aus – in der Realität fühlt es sich aber eher nach einer Bergwanderung an, bei der man das Gewicht des Rucksacks spürt, mal im Regen steht oder an einer Weggabelung intensiv über die passende Richtung grübeln muss. Natürlich sind Leidenschaft und Disziplin der Motor, aber am Ende braucht es neben einer ordentlichen Portion Ausdauer auch immer ein bisschen Glück – und idealerweise die richtigen Bergführer an der Seite, die im entscheidenden Moment den Weg weisen und auf Stolperfallen deuten.“
„In solchen Phasen einen geschützten Raum zur Reflexion des eigenen Führungsverhaltens zu haben, ist Gold wert.“
Dr. Daniel Rau
KSG: „Sie sind seit vier Jahren bei der Allianz und inzwischen in einer Führungsposition: Wie stark haben die Programme der Karl Schlecht Stiftung BEA, LTA und Bucerius Summer School im Nachhinein Ihre Leistungsbereitschaft und Ihr berufliches Selbstverständnis beeinflusst?“
DR: „Man könnte fast sagen, die Programme der Karl Schlecht Stiftung waren mein persönliches „Trainingslager für Führungskräfte“ – nur dass man dort statt Liegestützen eher intellektuelle Klimmzüge gemacht hat. Das Resultat lässt sich zwar nicht im Spiegel bewundern, macht sich dafür aber im Kopf bemerkbar.
Zwar hatte ich schon früh ein großes Interesse, Führungsaufgaben zu übernehmen, doch mit jeder Führungsrolle wuchs auch die Verantwortung: neue Themen, größere Herausforderungen, höhere Komplexität. In solchen Phasen einen geschützten Raum zur Reflexion des eigenen Führungsverhaltens zu haben, ist Gold wert. Daher bin ich der Karl Schlecht Stiftung aufrichtig dankbar, dass sie sich für Exzellenz in der Führung einsetzt und mir ermöglicht hat, meinen persönlichen Weg hin zu „good leadership“ zu finden. Die Programme haben mich nachhaltig angespornt, mein Bestes zu geben. Mein berufliches Selbstverständnis verstehe ich heute als Symbiose: wirtschaftliches Handeln im Sinne der Unternehmensziele einerseits und die persönliche Verantwortung für das Wohl und die Entwicklung des Teams andererseits. Für mich sind das keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille.“

KSG: „Wenn Sie zurückblicken: An welchem Punkt wussten Sie, in welche Richtung sich Ihr beruflicher Weg entwickeln soll?“
DR: „Eine entscheidende Zäsur war die Zeit bei der BEA. Dort wurde mir bewusst, dass meine Stärken vor allem dort liegen, wo Strategie, Verantwortung und Menschenführung aufeinandertreffen – insbesondere an der hochdynamischen Schnittstelle von IT und Business. Genau dort ist aktuell durch KI-Technologien fast alles im Umbruch. Ich stoße täglich auf inspirierende Persönlichkeiten, die mit Leidenschaft an den Themen von morgen arbeiten; dieser Austausch treibt mich an, auch selbst kontinuierlich über mich hinauszuwachsen. Eines ist für mich jedenfalls klar: In einer Welt, die von tiefgreifenden Umbrüchen gekennzeichnet ist, ist man beruflich nie wirklich „angekommen“ – der Weg bleibt das Ziel.“
„Diese Offenheit für Korrekturen und die Haltung, in einer dynamischen Welt selbst stets dazuzulernen, versuche ich meinem Team vorzuleben.“
Dr. Daniel Rau

KSG: „Nicht jeder ist für eine Führungsrolle geeignet. Manche Kompetenzen lassen sich entwickeln, andere sind stärker persönlich geprägt. Welche Eigenschaften bringen Sie Ihrer Ansicht nach bereits mit, die Sie für Ihre Führungsaufgaben bei der Allianz qualifizieren?“
DR: „Anstatt Ihnen nun eine klassische Liste meiner vermeintlich besten Eigenschaften aufzuzählen – was immer ein wenig nach Eigenwerbung riecht – möchte ich lieber über zwei Prinzipien sprechen, die mein Handeln leiten.
Zum einen ist das der Ansatz des „Forderns und Förderns“. Diesen Führungsansatz habe ich selbst durch meinen Mentor und früheren Institutsleiter erlebt; er hat mich nachhaltig geprägt. Ich sehe es als meine Aufgabe, dieses Gleichgewicht auch an mein Team weiterzugeben: anspruchsvolle unternehmerische Herausforderungen zu bieten, an denen man wächst, aber gleichzeitig den nötigen Rückhalt und Support zu garantieren.
Zum anderen ist da das Prinzip „Lebenslanges Lernen“. Das klingt oft nach einer Floskel, aber für mich gehört dazu auch Resilienz. Diese Haltung habe ich spätestens während meiner Promotion verinnerlicht: Jeder, der schon einmal seine eingereichten wissenschaftlichen Papers von Fachjournals zurückbekommen hat – gefühlt mehr rot markiert als ursprünglich geschrieben – weiß genau, wovon ich spreche. Man lernt dabei, Feedback als entscheidenden Katalysator für das eigene Wachstum zu begreifen.
Diese Offenheit für Korrekturen und die Haltung, in einer dynamischen Welt selbst stets dazuzulernen, versuche ich meinem Team vorzuleben. Dennoch bleiben Resilienz und Anpassungsfähigkeit etwas, auf das ich wachsam blicke: damit aus mentaler Flexibilität niemals blinde Angepasstheit wird.“
„Dennoch bleiben Resilienz und Anpassungsfähigkeit etwas, auf das ich wachsam blicke: damit aus mentaler Flexibilität niemals blinde Angepasstheit wird.“
Dr. Daniel Rau
KSG: „Viele Führungskräfte berichten, dass entscheidende Entwicklungsschritte außerhalb der Komfortzone stattfinden. Welche Situationen haben Sie besonders gefordert und Ihnen dennoch geholfen, sich weiterzuentwickeln?“
DR: „Ein entscheidendes Erlebnis war mein Auslandspraktikum in Malaysia während des Bachelorstudiums. Ich war in einem komplett lokalen Team, konfrontiert mit einer fremden Kultur, ungewohnten Arbeitsweisen und einem völlig neuen Alltag.
Diese Erfahrung, sich in einem fremden Umfeld nicht nur zu behaupten, sondern eine echte gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit zu finden, ließ mich enorm wachsen. Es war die erste bewusste Grenzerfahrung außerhalb meiner Komfortzone. Sie gab mir den nötigen Mut und das Selbstvertrauen für alle späteren Herausforderungen – ob in der Wissenschaft oder heute bei der Allianz.
Wer einmal gelernt hat, sich in einer völlig anderen Kultur erfolgreich einzubringen, begegnet auch großen beruflichen Veränderungen mit einer gesunden Portion Offenheit und Gelassenheit.“
KSG: „Wir sagen herzlich Danke für das Interview und wünschen Ihnen viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg.“
Das Interview führte Dr. Sofia Delgado für die Karl Schlecht Stiftung.