Unter dem Motto ‚Revisiting Global Governance – Adapting to a Growing Global Disorder’ fand im August die 20. Bucerius Summer School on Global Governance statt. Das Format wurde 2001 von der ZEIT Stiftung ins Leben gerufen und wird seit 2023 von der KSG mitfinanziert.
© Bild: © David Aussenhofer / Zeit Stiftung BuceriusZiel der Summer School ist es, junge Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Medien und dem NGO-Sektor zu vernetzen und das Bewusstsein zu schaffen, dass komplexe, moderne Governance-Herausforderungen multisektorale Lösungen und offenen Dialog brauchen.
2025 waren insgesamt 46 Teilnehmerende zwischen 28 und 35 Jahren aus 25 Ländern dabei. Sie diskutierten leidenschaftlich akute Themen wie die Konflikte in der Ukraine und im Palästina und auch auch Governance-Themen wie Klimawandel und künstliche Intelligenz mit den eingeladenen Expertinnen und Experten.
Das Programm wurde von zwei Deans, dem Journalisten Georg Mascolo und dem China-Experten Prof. Eberhard Sandschneider, begleitet. Beide betonen bereits zum Auftakt, dass es im letzten Jahrzehnt zunehmend schwieriger geworden ist, eine Summer School zum Thema ‚Global Governance‘ aus optimistischer Perspektive zu führen.
Die BSS ist – genau wie die UN, die vom Abschlussredner dem indischen Politiker Shashi Tharoor, als ‚a mirror for the state of the world‘ beschrieben wurde, heute ein Spiegel aktueller Geschehnisse.
Dr. Jonathan Keir, als Referent Ethik bei der KSG für das Förderprojekt verantwortlich, reflektierte die kontroverse Diskussion: „Dieses Jahr wurde deutlicher denn je, dass Europa nicht mehr in der Position ist, der restlichen Welt irgendetwas zu „predigen“. Die Zeiten, in denen Veranstaltungen wie die Bucerius Summer School als Schaufenster für europäische Werte dienen können, sind vorbei. Die gesamte Welt redet jetzt auf Augenhöhe und kompromisslos mit.“
Es bleibt die Herausforderung, die Welt so zu regieren, wie sie ist. Ein Format wie die Summer School kann die Probleme der Welt nicht lösen, jedoch Sensibilitäten wecken und vor allem Freundschaften zwischen Menschen ermöglichen, die sonst wömöglich nie im Austausch miteinander stünden.
So besteht bereits in der Auswahl der Teilnehmenden die große Kunst darin eine repräsentative Vielfalt an Teilnehmerden zu findenwelche die Vielfalt der Welt widerspiegeln, ohne dass bestehende Konflikte die Atmosphäre der ganzen Veranstaltung beschweren und konstruktives Netzwerken verhindern.
So war der Tenor etlicher Teilnehmenden vor allem, dass sich die BSS allein wegen der menschlichen Beziehungen gelohnt hat, wenn man auch die Einzelprobleme der Welt nicht hat ausreichend diskutieren können und das Programm teilweise als etwas „eurozentrisch“ wahrgenommen wurde.
Für das Orga-Team der ZEIT-Stiftung, geleitet von Sascha Suhrke, ist die der Vernetzung der Teilnehmer seit Jahren höchste Priorität. Anläßlich des 20. Jubiläums endete die diesjährige Summer School mit einem Alumni-Event. Von den über 1000 Teilnehmenden der letzten 20 Jahre waren über 200 Alumni aus der ganzen Welt eigens dafür nach Hamburg gereist und bewiesen damit eindrücklich, welch mächtige weltweite Community über die Jahre entstanden ist.
Einhellig und über alle Jahrgänge hinweg kam die klare Botschaft: „Die BSS ist einzigartig“ und schafft es, in den 10 Tagen auf eindruckvolle Weise, unterschiedlicheste Menschen aus unterschiedlichsten Berufswelten und Kulturkreisen zusammenzubringen, um gemeinsam Governance- und Führungsthemen zu beleuchten, die alle angehen.
Der Mehrwert der Bucerius Summer School besteht damit genau darin, einen Raum für lebenslange Freundschaft zwischen diesen Welten zu schaffen. Dass solche Freundschaften eine verbesserte Global Governance auch direkt und indirekt ermöglichen, ist nach 20 Jahren Erfahrung zum Credo der Bucerius Summer School geworden.
Auch im kommenden Jahr wird es damit wieder eine BSS geben, die einen noch stärkeren Fokus auch auf die Themen Global Leadership legen wird.