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Mathe-Challenges und gesellschaftsrelevante Kompetenzen

17.09.2026

Ob als Jurymitglied und Helferin bei diversen Veranstaltungen oder jüngste weibliche Teilnehmerin im Ultramarathonformat Backyard Ultra „Last Rabbit Standing“ über 60 km. Ayla-Laura Oezcan, ETA-Stipendiatin,  ist es gewohnt, bereits in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen und sich selbst herauszufordern.

Die Frankfurterin zählt zudem zu den erfolgreichsten Nachwuchstalenten im Fach Mathematik und belegte den vierten Platz in der ersten Auscheidungsrunde des Schulentscheides des Mathematik-Wettbewerbs 2022/2023 der hessischen Landesregierung. Ebenfalls schaffte sie es bei dem Naturwissenschaftlichen bundesweiten Wettbewerb „Jugend Präsentiert 2023“ durch mehrere Runden bis in die Vorrunde des Bundesfinales zu kommen. Als Stipendiatin der Entrepreneurship Talent Academy (ETA) der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Karl Schlecht Stiftung entwickelt sie nun ihre Führungs- und Unternehmerkompetenzen weiter. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen bei der ETA, ihr Engagement und ihre Ziele.   

KSG: Du engagierst dich in vielen Bereichen und magst Wettbewerbe und Herausforderungen. Was treibt dich persönlich dazu an?   

Ayla-Laura Oezcan (AO): Ich glaube, viele denken bei sowas direkt an Konkurrenz, ans Gewinnen oder Verlieren. Mich reizt aber hauptsächlich, dass ich mein vorhandenes Können in neuen Kontexten anwenden und somit weiterentwickeln kann. Der Transfer der Erfahrung über die jeweilige Disziplin hinaus ist der tatsächliche Preis, den ich mit nach Hause nehme. Mit meiner Rolle als gesellschaftliche Akteurin geht Verantwortung miteinher, darum sehe ich Engagement eher als eine Pflicht, wenn ich über Zeit und Möglichkeiten verfüge. Denn dann sollte ich diese nicht ausschließlich für mich selbst nutzen, sondern dort einbringen, wo ich einen Beitrag leisten kann. Gesellschaft verstehe ich dabei auch im wirtschaftlichen Sinne: nicht nur als etwas, dem man angehört, sondern als etwas, an dem man sich beteiligt. 

KSG: Du warst in diesem Jahr ETA-Stipendiatin. Was hat dich dazu bewegt, dich für das Stipendium zu bewerben?  

AO: Ich wusste, dass die Alterszielgruppe unterschiedliche Zugänge zu diversen Themengebieten mitbringt, gerade wenn es um die Entrepreneurship-Szene geht. Deshalb war ich neugierig zu erfahren, welchen Raum die ETA speziell für Oberstufenschüler*innen schafft, wie dort unterschiedliche Vorerfahrungen aufeinandertreffen und wie es gelingt, alle mitzunehmen. Genau diese Unterschiede finde ich wertvoll. Gleichzeitig haben mich die Leitbilder der Stiftungen zur gesellschaftlichen Verantwortung angesprochen, welche logischerweise die Auswahl der Teilnehmenden prägen. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dort auf Menschen in einem ähnlichen Lebensabschnitt zu treffen, mit denen ich gewisse Grundeinstellungen teile. 

„Der Transfer der Erfahrung über die jeweilige Disziplin hinaus ist der tatsächliche Preis, den ich mit nach Hause nehme.“

Ayla-Laura Oezcan

KSG: Welche Erfahrungen oder Impulse aus dem ETA-Programm sind dir besonders in Erinnerung geblieben?   

AO: Zurückblickend kommt mir direkt die Dynamik der Zusammenarbeit in den Sinn: An den Kick-off-Tagen sollten wir gruppenweise zu einer vorgegebenen Nische ein Start-Up-Konzept entwickeln und folglich pitchen. Hierbei fand ich die Effizienz in den Aufteilungsprozessen beeindruckend, welche durch die ausgeprägte Selbstreflexion aller hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten und Stärken entstand. Ich glaube, die Idee derartiger Selbstgestaltung ist das, was das ganze Programm besonders wirksam macht, denn im Verlauf wurden einem immer Auswahlmöglichkeiten gegeben, sodass man selbst entscheiden konnte, wo man Schwerpunkte setzen möchte.  

KSG: 2023 erreichtest du beim hessischen Mathematikwettbewerb den vierten Platz in der ersten Ausscheidungsrunde. Welche Bedeutung hatte dieser Erfolg für dich und welche Rolle spielt Mathematik heute in deinem Leben? 

AO: Es war für mich vor allem eine schöne Bestätigung einer Stärke, meiner Freude an mathematischer Herangehensweise, die vielfältig übertragbar ist. Von der Gründung und Führung eines Unternehmens bis zu dessen Bewertung, aber auch bei persönliche Entschlüssen: Zahlen schaffen immer eine rationale Grundlage, um Entwicklungen einzuordnen und Entscheidungen fundiert zu treffen. 

Zahlen schaffen immer eine rationale Grundlage, um Entwicklungen einzuordnen und Entscheidungen fundiert zu treffen. 

Ayla-Laura Oezcan

KSG: Beim Projekt „Schule Start-up“ hast du unternehmerisches Denken aus nächster Nähe kennengelernt. Was hat dich dabei am meisten überrascht oder begeistert? 

AO: Als Koordinatorin war es besonders interessant zu beobachten, dass Kreativität und unternehmerisches Wissen nicht wirklich von Beginn an gleichermaßen ausgeprägt waren, letzteres leider deutlich geringer, doch wie ambitioniert die jungen Schüler*innen waren, diese Lücke zu schließen, sich neue Kompetenzen anzueignen und verschiedenste Rollen zu übernehmen. Gerade da ihr Denken noch wenig von bestehenden Konventionen geprägt war, entstanden dabei bemerkenswert unbefangene und innovative Ansätze. Davon war ich total begeistert. 

KSG: Wenn du an gute Führung denken: Welche Eigenschaften sollte eine Führungskraft deiner Meinung nach unbedingt mitbringen? 

AO: Was ich beobachtet habe, ist, dass gute Führungskräfte nicht ständig an Hierarchiestrukturen erinnern, sondern ihre Untergestellten zur Eigenständigkeit führen, statt Abhängigkeit zu schaffen. Für mich ist ihre zentrale Aufgabe, individuelle Potenziale zu erkennen, gezielt zur Entfaltung zu leiten und so zusammenzuführen, dass sowohl der Einzelne als auch das Team daran wächst. Eine Win-win-Situation.

KSG: Du übernimmst schon heute Verantwortung für andere Menschen. Könntest du dir vorstellen, später selbst ein Unternehmen zu gründen oder eine Führungsposition zu übernehmen? Warum? 

AO: Auf jeden Fall. Bei beidem finde ich unter anderem die Schnittstellenfunktion spannend. Man verfolgt eine gemeinsame Richtung und versucht, daraus ein stimmiges Ganzes zu schaffen. Das bedeutet eben auch, unterschiedliche Fachbereiche und Perspektiven zusammenzuführen und deren Beiträge aufeinander abzustimmen. Gerade diese Vielfältigkeit stelle ich mir als etwas mit sehr viel Mehrwert vor. 

KSG: Welche Ziele möchtest du in den kommenden Jahren erreichen?  

AO: Natürlich gibt es konkrete Projekte und Meilensteine, die ich erreichen möchte. Übergeordnet geht es mir aber weniger um einen bestimmten Endpunkt als um eine langfristig positive Entwicklung, sowohl fachlich als auch persönlich. Dabei möchte ich den Anspruch an meine Vorhaben stetig erhöhen, ohne die Offenheit zu verlieren, Ziele auch neu zu justieren. Schließlich kann ich heute noch nicht voraussehen, welche unerwarteten Möglichkeiten sich in den nächsten Jahren ergeben. 

„Übergeordnet geht es mir aber weniger um einen bestimmten Endpunkt als um eine langfristig positive Entwicklung, sowohl fachlich als auch persönlich.“

Ayla-Laura Oezcan

Der Bewerbungzeitraum für die nächste Entrepreneurship Talent Academy an den Standorten Stuttgart, Heilbronn, Rhein-Main und Sachsen läuft noch bis zum 27. September. 

Mehr Infos findet ihr hier: www.sdw.org/schuelerinnen-und-schueler/eta/

Interview: Dr. Sofia Delgado