„Wirtschaft verstehen, Zukunft gestalten“, unter diesem Leitgedanken begleitet die PwC-Stiftung seit Jahren mit dem Programm Wirtschafts.Forscher! Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu einem kritischen und verantwortungsbewussten Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge.
Die KSG fördert die Wirtschafts.Forscher! bereits seit 2018. Im Regierungsbezirk Tübingen startete 2023 die Modellregion „WiFo Region Südwest“ und in diesem Jahr hat die KSG die Förderung um weitere drei Jahre bis 2028 verlängert. Seit Juni 2025 leitet Nurettin Yigit das Stiftungsteam bei PwC, zuvor war er Referent für Finanzen und Ökonomische Bildung bei der PwC-Stiftung. In seinen Verantwortungsbereich fällt auch die operative Ausweitung der Modellregion Südwest auf den Regierungsbezirk Stuttgart. Welche Bedeutung die neue Phase für das Programm hat, wie junge Menschen künftig noch stärker einbezogen werden und welche Rolle das Thema Werteorientierung in einer sich verändernden Wirtschaft spielt, diese Antworten gibt uns Herr Yigit.
Karl Schlecht Stiftung (KSG): Herr Yigit, Sie waren von Anfang an dabei beim Programm der Wirtschafts.Forscher! Nun haben Sie die Leitung des Stiftungsteams bei PwC übernommen.
Welche Erfahrungen und Perspektiven bringen Sie in Ihrer neuen Rolle mit?
Nurretin Yigit (NY): Ich begleite die Wirtschafts.Forscher!-Modellregion seit ihren allerersten Schritten. Diese Zeit war für mich ein intensiver Lernprozess: Ich habe Klassenzimmer erlebt, in denen Jugendliche mit leuchtenden Augen über Wirtschaftsethik diskutieren – und andere, in denen Lehrkräfte schlicht nach Entlastung suchten. Beides hat mir gezeigt, wie herausfordernd, aber auch wie wirkungsvoll Bildungsarbeit sein kann.
Diese Erfahrungen prägen heute meine Rolle als Leiter des PwC-Stiftungsteams. Gute Bildungsarbeit entsteht nicht am Schreibtisch – sie entsteht im echten Leben, im Austausch, im gemeinsamen Ringen um gute Lösungen. Was mich antreibt, ist eine Haltung: Zukunftsorientierung, Empathie und systemisches Denken zusammenbringen.
Ich freue mich darauf, die positiven Erfahrungen aus Wirtschafts.Forscher! nun auch in unsere Programme Kultur.Forscher! und Hör.Forscher! einfließen zu lassen – und damit noch mehr jungen Menschen Räume zu eröffnen, in denen sie sich ausprobieren, wachsen und ihren Platz in der Welt finden können.
Gute Bildungsarbeit entsteht nicht am Schreibtisch – sie entsteht im echten Leben, im Austausch, im gemeinsamen Ringen um gute Lösungen.
Nurettin Yigit
KSG: Inwieweit ist es heute wichtiger denn je, junge Menschen für wirtschaftliche Zusammenhänge und ethische Fragen zu sensibilisieren?
NY: Wir leben in einer Zeit, in der junge Menschen täglich mit komplexen Entscheidungen konfrontiert sind: Konsum, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, soziale Gerechtigkeit. Viele empfinden diese Themen als belastend – gleichzeitig sehnen sie sich nach Orientierung und nach einem Verständnis dafür, wie Wirtschaft eigentlich funktioniert und welche Rolle sie selbst darin spielen können.
Ökonomische Bildung ohne Werte ist heute nicht mehr zeitgemäß. Ebenso wenig wie Werte ohne Verständnis für wirtschaftliche Realitäten. Wirtschafts.Forscher! bringt beides zusammen. Und das ist für mich der Schlüssel: Erst wer versteht, wie Entscheidungen wirken, kann verantwortungsvoll handeln.
KSG: Welche Kompetenzen wollen Sie Schülerinnen und Schülern in der neuen Programmphase besonders vermitteln? Haben sich die Schwerpunkte verändert?
NY: Der Kern ist klar: Persönlichkeitsentwicklung. Wir wollen Jugendliche befähigen, die Welt nicht nur zu verstehen, sondern zu gestalten. Dazu gehören Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität, Kollaboration und Kommunikation – die bekannten 4K. Aber wir erweitern den Fokus:
Wir verknüpfen diese Kompetenzen stärker mit Fragen der Berufsorientierung und der eigenen Werte. Das Wi.Fo!-Lab bietet hierfür perfekte Anknüpfungspunkte:
über 700 Materialien in 15 verschiedenen Themen-Modulen wie z.B. „Digitalisierung der Arbeit“ „Konsum der Zukunft“ oder „Algorithmen vs. Gewissen“. Diese Vielfalt ermöglicht es Schulen, echtes lebensnahes Lernen zu gestalten und Jugendliche auf eine Welt vorzubereiten, die sich ständig verändert.
KSG: Wie reagieren die Lehrkräfte auf die neuen digitalen Lernräume und die multiperspektivischen Ansätze des Programms?
NY: Die Rückmeldungen sind ausgesprochen positiv. Lehrkräfte schätzen die Möglichkeit, flexibel und fachübergreifend zu arbeiten – und gleichzeitig ein fundiertes, didaktisch geprüfter Materialfundus zur Verfügung zu haben.
Wir haben vor kurzem das neue Spezialmodul zur Verhaltensökonomie fertiggestellt und den Lehrkräften sowie Jugendlichen im Wi.Fo!-Lab zur Verfügung gestellt. Das große Interesse – v.a. junger Menschen – zeigt uns, wie relevant diese Themen inzwischen sind. Die Workshop-Anmeldungen sprechen natürlich auch für sich. Und unser Themenausbau geht auch im Jahr 2026 weiter. Aktuell wird ein Spezialmodul zur Wirtschaftsgeschichte entwickelt. Damit wollen wir im Programm gezielt Geschichtslehrkräfte ansprechen, die ökonomische Perspektiven traditionell weniger im Fokus haben.
KSG: Was hat die PwC Stiftung in den vergangenen Jahren mit dem Programm erreicht?
Gibt es Zahlen, die Sie uns nennen können?
NY: Seit Beginn des Programms haben rund 10.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen – in Deutschland und an sechs Deutschen Auslandsschulen weltweit. Dazu kommen 300 fortgebildete Lehrkräfte aus über 150 Schulen.
In Baden-Württemberg allein haben wir in den vergangenen drei Jahren 800 Jugendliche, 30 Lehrkräfte und 25 Schulen erreicht – und wir stehen erst am Anfang. In der zweiten Programmphase (2025-28) planen wir rund 50 Schulen, 100 Lehrkräfte und eine deutliche Steigerung der teilnehmenden Jugendlichen in den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen.
Wirtschafts.Forscher! soll ein Programm sein, das eine ganze Generation stärkt – im Denken, im Entscheiden und im Handeln.
Nurretin Yigit
KSG: Wenn Sie zehn Jahre in die Zukunft blicken: Welche Wirkung soll Wirtschafts.Forscher! bis dahin entfaltet haben?
NY: In zehn Jahren wünsche ich mir, dass junge Menschen rückblickend sagen können:
„Dieses Programm hat mir geholfen, meinen eigenen Weg zu gehen – mit Klarheit, Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl.“ Wirtschafts.Forscher! soll ein Programm sein, das eine ganze Generation stärkt – im Denken, im Entscheiden und im Handeln.
Ein Programm, das ermutigt, Wirtschaft nicht als abstraktes System zu sehen, sondern als gestaltbaren Raum.
Ein Programm, das Werte und Zukunftskompetenzen miteinander verbindet.
Und ein Programm, das Schulen dabei unterstützt, Jugendliche auf eine Welt vorzubereiten, deren Herausforderungen wir heute noch gar nicht kennen.
KSG: In unserer heutigen schwierigen Zeit, gibt es Impulse aus dem Programm, die auch für Wirtschaft und Politik interessant sein könnten, also über die Schulen hinaus?
NY: Absolut. Die Kombination aus multiperspektivischem Denken, ethischer Reflexion und ökonomischem Verständnis ist eine Kompetenz, die wir nicht nur in Schulen brauchen – sondern in Unternehmen, gesellschaftlichen Debatten und in der Politik. Wirtschafts.Forscher! eröffnet einen Raum, in dem junge Menschen kritisch, aber konstruktiv denken lernen. Sie fragen nach dem „Warum“ – und entwickeln gleichzeitig Ideen für das „Wie weiter?“. Verantwortung, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sind keine Gegensätze. Wenn wir diesen Geist ernst nehmen, profitieren nicht nur Schulen davon – sondern unsere gesamte Gesellschaft.
