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Good Leadership aus Sicht der GenZ – Ein Gespräch mit Caroline Wendlandt

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© NXTGN / YEEP
06.11.2025

Caroline Wendlandt ist Studentin der Elektrotechnik, gehört zur Generation Z und zählt zu den jungen Menschen, die aktiv die Zukunft mitgestalten möchten. 

Als Teilnehmerin an gleich mehreren Programmen der Karl Schlecht Stiftung – der Entrepreneurship Talent Academy (ETA), dem Young Entrepreneurs Excellence Program (YEEP) und dem KSG-Jugendforum – hat sie wichtige Impulse für ihre persönliche und fachliche Entwicklung erfahren dürfen.

Die heutige Generation Z hat andere Ansprüche an Technik und Wirtschaft; sie denkt Führung neu. Beides ist aus ihrer Sicht nicht mehr allein durch Funktionalität und Wachstum geprägt, sondern vor allem durch eine verantwortungsvolle Gestaltung. Auch Caroline Wendlandt hat ihre eigenen Vorstellungen von Führung und Unternehmensentwicklung. Ob diese – wie bei vielen anderen jungen Menschen – mittlerweile andere ethische Ansprüche verfolgen sowie Innovationsgeist und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden sollen, verrät sie im folgenden Interview, das Dr. Sofia Delgado mit ihr geführt hat.

Karl Schlecht Stiftung (KSG): Caroline, du hast an mehreren Programmen der Karl Schlecht Stiftung teilgenommen. Was hat dich dazu bewegt, gleich an mehreren Formaten teilzunehmen?

Caroline Wendlandt (CW): Mir ist es sehr wichtig, mich weiterzuentwickeln und kontinuierlich zu lernen. Diese Chance sehe ich in den Programmen der Karl Schlecht Stiftung. Durch die Entrepreneurship Talent Academy habe ich das Unternehmertum für mich entdeckt und wusste, dass ich tiefer einsteigen möchte. Deshalb war YEEP für mich der nächste logische Schritt. Gleichzeitig ist es mir wichtig, etwas zurückzugeben, sowohl an die Stiftung als auch an Menschen, die vielleicht ähnliche Unterstützung suchen, wie ich sie erhalten habe. Deshalb habe ich am Jugendforum der KSG teilgenommen und bin inzwischen auch als Teamerin bei der ETA aktiv.

KSG: Welche persönlichen Interessen oder Werte hast du in den Programmen wiedergefunden?

CW: Die Programme legen großen Wert auf Persönlichkeitsentwicklung, was mir ebenfalls sehr wichtig ist. Für mich ist das ein stetiger Prozess, in dem ich immer weiter wachsen möchte. Besonders das Mentoring bei YEEP hat mich dabei unterstützt. Außerdem ist die Gemeinschaft unter denTeilnehmenden, geprägt von Offenheit, Respekt, Freundlichkeit und gegenseitiger Unterstützung, einzigartig. Daneben sind mir Menschen und ihre individuellen Geschichten wichtig, und ich höre gerne zu. Genau das ist auch in Teamarbeit und Führung entscheidend, und ich konnte diese Werte bei YEEP und ETA einbringen.

Durch die ETA habe ich entdeckt, wie sehr Unternehmertum mit meinen Interessen übereinstimmt. Mir ist es wichtig, Neues auszuprobieren, mutig zu sein und Risiken einzugehen. Genau das ist für mich Unternehmertum: mit voller Überzeugung und Leidenschaft hinter einer Idee zu stehen.

„Mir ist es sehr wichtig, mich weiterzuentwickeln und kontinuierlich zu lernen. Diese Chance sehe ich in den Programmen der Karl Schlecht Stiftung.“

Caroline Wendlandt

KSG: Welches der Programme hat dich nachhaltig geprägt? Was konntest du persönlich aus den Teilnahmen mitnehmen?

CW: Für mich bauen ETA und YEEP aufeinander auf. Die ETA ist besonders, weil sie einem Türen außerhalb der eigenen Schule und des gewohnten Umfelds öffnet. Man trifft auf viele motivierte jungen Menschen, die etwas bewegen wollen. Die Atmosphäre an den Wochenenden ist einzigartig, weshalb ich auch als Teamerin gerne wiederkomme. Aus der ETA habe ich vor allem mitgenommen, größer zu denken und den Mut zu haben, mehr zu wagen, zum Beispiel nach München zu ziehen. Außerdem habe ich Freundschaften und Kontakte geknüpft, die bis heute bestehen. YEEP war für mich der perfekte nächste Schritt. Ich wollte noch mehr inspirierende Menschen kennenlernen und hatte bereits Ideen, wie es für mich weitergehen könnte – in Richtung Führung oder Startup. Durch das Mentoring hatte ich jemanden, der an mich glaubt, dem ich alle Fragen stellen konnte und der mich unterstützt hat. In den Peerlearnings konnte ich mich mit anderen austauschen und Impulse direkt in der Führung eines 25-köpfigen Teams bei einem Uniprojekt anwenden. Außerdem habe ich mit anderen an einem Roboter gearbeitet, der das Startup Cellios unterstützt. Auch hier konnte ich praktisch umsetzen, was ich in den Peerlearnings gelernt habe.

Insgesamt habe ich mitgenommen, wie gerne ich in Teams und mit Menschen arbeite und diese auch führe. Daneben habe ich mitgenommen, wie wichtig mir Verantwortung und Selbstwirksamkeit ist und dies gleichzeitig an andere weiterzugeben.

KSG: Inwiefern hat sich dein eigenes Führungsverständnis durch die Programme verändert?

CW: Vor allem durch YEEP hat sich mein Führungsverständnis weiterentwickelt. In der Universität habe ich ein 25-köpfiges Team geleitet, das an einem Roboter gearbeitet hat. Die Herausforderung war, den einzelnen Teammitgliedern Verantwortung zu übertragen, damit sie sich dem Projekt verbunden fühlen und sich selbst einbringen können. Gleichzeitig musste am Ende ein funktionierender Roboter entstehen. Diese Balance zwischen Zielorientierung und Eigenverantwortung ist für mich das Wesentliche an Führung. Durch die Peerlearnings bei YEEP konnte ich hier wertvolle Impulse direkt umsetzen. Bei der ETA habe ich gelernt, wie wichtig Zuhören und echtes Interesse an den Meinungen anderer ist. Durch YEEP und insbesondere durch den Leadership-Workshop habe ich verstanden, wie bedeutend es ist, durch Fragen zu führen und die Teammitglieder dazu zu bringen, selbst Lösungen zu finden. Die Aufgabe einer Führungskraft ist es, durch klare Kommunikation des gemeinsamen Ziels alle zu verbinden und zu motivieren.

KSG: Welche Eigenschaften sollte eine verantwortungsvolle Führungskraft deiner Meinung nach heutzutage mitbringen? Was bedeutet für dich „gute Führung“?

CW: Für mich ist Führung sehr vielfältig. Sie umfasst das Treffen von Entscheidungen, klare Kommunikation, das Vermitteln von Mission und Vision sowie das Halten der Balance zwischen Zielorientierung und Teamverantwortung. Es ist wichtig, auch in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Deadlines einzuhalten, während gleichzeitig den Teammitgliedern Ownership und Verantwortung übertragen wird. So sieht sich jeder als Teil der Vision und ist motiviert, einen eigenen Beitrag zu leisten. Eine gute Führungskraft sollte empathisch und emotional intelligent sein. Sie sollte durch Kommunikation, gezielte Fragen und ein klares Ziel Verantwortung an das Team übertragen, damit sich die Mitglieder selbst verwirklichen können. Führung bedeutet auch, anzuerkennen, dass andere in bestimmten Bereichen mehr Expertise haben, und diese gezielt einzubinden. Es ist wichtig, andere Perspektiven einzubeziehen und dadurch Entscheidungen reflektiert zu treffen, den Entscheidungsweg zu kommunizieren und zu Fehlern zu stehen. Eine Führungskraft sollte offen mit eigenen Fehlern umgehen und so ein Vorbild für das Team sein.

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„Führung ist keine Altersfrage – entscheidend ist die Bereitschaft, zu reflektieren, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.“

Caroline Wendlandt

KSG: Was meinst du, ist Führung eine Altersfrage? Spielt Alter eine Rolle?

CW: Ja und Nein. Mit jeder Erfahrung und jedem Projekt wächst man, aber Alter ist nicht gleichbedeutend mit Erfahrung. Mit mehr Erfahrung hat man zwar schon verschiedene Situationen erlebt, aber keine ist exakt gleich. Deshalb sollte jede Führungskraft offen für Neues sein, sich weiterentwickeln und zu Fehlern stehen, unabhängig vom Alter.

Mit Alter verbindet man oft Weisheit, Besonnenheit und Vorsicht. Jüngere Menschen sind vielleicht eher bereit, Risiken einzugehen und offener für neue Technologien. Ich denke, als Führungskraft braucht man beides. Insgesamt zählt für mich, dass eine Führungskraft reflektiert ist, ihre Stärken und Schwächen kennt und diese in die Entscheidungsfindung einfließen lässt. Diese Reflektiertheit, Fehlerkultur und das Bewusstsein, dass andere Dinge besser können, sind unabhängig vom Alter. Alter kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein, entscheidend ist die Person selbst.

„Häufig wird gesagt, dass Gen Z faul und ohne Ambition ist, was meiner Meinung nach ein Vorurteil ist. Es ist uns vielmehr wichtig, dass die Arbeit, die wir machen, erfüllend und sinnstiftend ist.“

Caroline Wendlandt

KSG: Du gehörst der jungen Generation Z an. Welche Themen und Werte bewegt aktuell deine Generation im Hinblick auf Führung, Arbeit und Gesellschaft?

CW: Gen Z möchte am liebsten chillen und Urlaub machen. Aber machen wir nicht alle gern Urlaub? Und ist das nicht auch in Maßen wichtig? Ich denke, Gen Z ist vielfältig. Deshalb ist es schwierig für eine ganze Generation zu sprechen, aber ich möchte hier trotzdem meine Einschätzung geben. Häufig wird gesagt, dass Gen Z faul und ohne Ambition ist, was meiner Meinung nach ein Vorurteil ist. Es ist uns vielmehr wichtig, dass die Arbeit, die wir machen, erfüllend und sinnstiftend ist. Dementsprechend ist für Gen Z wichtig, dass Verantwortung und Aufgaben an sie übertragen werden. Es ist wichtig, klar zu kommunizieren, wie Entscheidungen getroffen werden. Dann ist Gen Z leistungsbereit. Meiner Meinung nach ist dann Arbeit auch nicht mehr Arbeit bzw. eine lästige Plicht, sondern selbsterfüllend und dann brenne ich dafür.

Was auf Gen Z aber zutrifft, ist eine enorm hohe Vernetztheit, sie erleben sehr schnelle technologische Entwicklungen mit und sind dadurch aber auch fähig, diese Technologien direkt einzusetzen. Durch die Vernetztheit kommt aber auch, dass man sich ständig vergleicht. Dadurch möchte man schneller, höher, weiter, egal in welche Richtung. Lernen und sich weiterentwickeln ist also enorm wichtig. Gen Z möchte also durch Arbeit erfüllt werden, nicht nur das kleine Zahnrad sein. Sie möchte gehört werden und möchte etwas für Gesellschaft und Umwelt verbessern. Gen Z möchte sich weiterentwickeln und möchte neue Technologien einsetzen. Führung sollte also auf Ownership und Purpose basieren und offene Kommunikation bei Fehlern, verschiedenen Perspektiven und Entscheidungen umsetzen.

KSG: Wie möchtest du selbst – als künftige Ingenieurin – zur Gestaltung einer verantwortungsvollen Zukunft beitragen?

CW: Ich habe mich für das Studium der Elektrotechnik entschieden, um Technologien wie Batterien, Elektromotoren, Chips und Roboter zu verstehen und zu verbessern. Mir ist es wichtig, mit meinem Wissen das Leben der Menschen zu verbessern und einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu haben. Aktuell vertiefe ich mich in technische Themen und arbeite am Lehrstuhl für elektrische Energiespeichersysteme, wo ich die Alterung von Natrium-Ionen-Batterien erforsche. Ich möchte jetzt hands-on Technologie verbessern. In Zukunft möchte ich eine Führungsposition übernehmen. Durch YEEP, das Uniprojekt und TUM.ai merke ich, wie gerne ich mit Menschen zusammenarbeite, sie motiviere und das große Ganze im Blick behalte. Für mich bedeutet Führung, Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Stärken einzubringen und gemeinsam an einer erfüllenden Vision zu arbeiten. Gute Führung schafft dafür den Raum durch Vertrauen, Kommunikation, Offenheit und den Mut, Neues zu wagen.

Wir bedanken uns herzlich bei Caroline Wendlandt für das offene und inspirierende Gespräch – und dafür, dass sie ihre Erfahrungen und Perspektiven mit uns geteilt hat.