...und was die LTA damit zu tun hat: Junge Frauen wie Henriette Maaß gibt es nicht viele. Die promovierte Physikerin wurde bereits während ihres Studiums mehrfach für herausragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet.*
Heute ist sie Mitgründerin und Geschäftsführerin der NanoStruct GmbH und wurde im März 2024 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz als Vorbild-Unternehmerin der Initiative „Frauen unternehmen“ berufen. Doch damit nicht genug. Im Umfeld der „Campus Founders“ hat sie als Teilnehmerin die Leadership Talent Academy (LTA) in Heilbronn im vergangenen Jahr besucht. Was das Stipendienprogramm der Karl Schlecht Stiftung ihr für ihre Gründung und Forschung an Nanomaterialien gebracht hat, erfahren wir von ihr im Interview.
(*unter anderem mit dem Wilhelm-Conrad-Röntgen Wissenschaftspreis und dem Promotionspreis der Unterfränkischen Gedenkjahrstiftung für Wissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg).
„Zu einer guten Führungskraft wird man nicht über Nacht – es braucht wie bei aller Zeit, Übung und ganz besonders die Bereitschaft sich selbst immer weiterzuentwickeln und zu verbessern“
Henriette Maaß
Karl Schlecht Stiftung (KSG): Du bist promovierte Physikerin, was an sich bereits bemerkenswert ist und hast vor vier Jahren ein Unternehmen mitgegründet. Mit Sicherheit bist du gut ausgelastet. Dennoch hast du im vergangenen Jahr beim LTA-Stipendienprogramm teilgenommen. Welche persönliche Motivation hat dich dazu bewogen, dich dafür zu bewerben?
Henriette Maaß (HM): Zu einer guten Führungskraft wird man nicht über Nacht – es braucht wie bei aller Zeit, Übung und ganz besonders die Bereitschaft sich selbst immer weiterzuentwickeln und zu verbessern. Gerade letzteres erwarte ich auch von meinem Team und daher ganz automatisch von mir selbst. Die Leadership Talent Akademie hat mir die Gelegenheit gegeben gemeinsam mit einer Gruppe von jungen Führungskräften Führungsfragen zu diskutieren, Methoden zu lernen und insgesamt meinen Führungsstil weiterzuentwickeln.
KSG: Wie hat dein Physikstudium dich geprägt, nicht nur fachlich, sondern auch hinsichtlich methodischen Denkens, Problemlösung und wissenschaftlicher Arbeitsweise?
HM: Eine analytische Herangehensweise an Fragestellungen und Herausforderungen habe ich definitiv aus dem Physikstudium mitgenommen, denn zu lernen, wie man effizient und methodisch (physikalische) Probleme löst ist Kern des Physikstudiums. Was darüber hinaus zumindest für mich auch ein wichtiger Aspekt ist, ist Teamfähigkeit. Ein Physikstudium ist herausfordernd und oft war es gutes Teamwork und gerade in den wissenschaftlichen Abschlussarbeiten die intensive Diskussion im Team, die mich zum Erfolg geführt hat. Als gut funktionierendes Team, in dem verschiedene Meinungen wertschätzend diskutiert werden, kann man am meisten voranbringen – auch das habe ich in meinem Physikstudium gelernt.
Ich bin der Überzeugung, dass ein gut funktionierendes diverses Team Voraussetzung ist, um als Startup schnell, effizient und innovativ zu sein.
Henriette Maaß
KSG: Inwiefern nutzt du diese Kompetenzen heute in deinem unternehmerischen Alltag?
HM: NanoStruct ist ein Deep-Tech Startup, das heißt ein Unternehmen bei den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Tragen kommen und Technologieentwicklung eine entscheidende Rolle spielt. Mein wissenschaftlicher Hintergrund hilft enorm um als CEO des Startups den Gesamtüberblick zu behalten und unsere Innovation an andere vermitteln zu können. Als Startup Gründerin und Unternehmerin steht man zudem nahezu täglich vor neuen Herausforderungen. Mit einer analytischen und lösungsorientierten Herangehensweise lassen sich diese Herausforderungen bewältigen. Nicht zuletzt ist auch ein gutes Teamwork im Startup entscheidend. Ich bin der Überzeugung, dass ein gut funktionierendes diverses Team Voraussetzung ist, um als Startup schnell, effizient und innovativ zu sein.
KSG: Welche Herausforderungen haben sich ergeben, als du von der wissenschaftlichen Umgebung ins Startup- bzw. Unternehmensumfeld gewechselt bist? Was verlief einfacher als erwartet? Was schwieriger?
HM: Der Sprung von der Wissenschaftlerin zur Unternehmerin bringt definitiv Herausforderungen mit sich. Als Wissenschaftler sieht man die Technologie wichtigste Aufgabe, die gelöst werden muss. Doch auch wenn die Technologie Kern des Unternehmens ist, ist die Relevanz des Marktes mindestens genauso wichtig. Früh potenzielle Kunden zu finden, auch bevor die Technologie ausgereift ist, um genau zu verstehen, was die Kunden brauchen und wofür sie bereit sind Geld auszugeben ist ein Muss, um ein erfolgreiches Startup zu werden. Das entsprechende Mindset kommt mit der Zeit und so wächst man automatisch in das Unternehmertum. Je früher man sich Richtung Kunden, Markt und Vertrieb ausrichtet, desto besser. Unerwartet für uns war die Zeit, die es braucht, um ein Produkt zu entwickeln und parallel den Markt zu verstehen. Was bei uns sehr gut und unerwartet schnell ging war ein gutes und effektives Team zusammen zu bringen.
Die LTA hat mir zum Beispiel dabei geholfen die Kultur und Werte, die ich in meinem Unternehmen sehen möchte, besser in Worte zu fassen und mit den richtigen Methoden an mein Team weiterzugeben.
Henriette Maaß
KSG: Als junge Unternehmerin hast du bereits Führungsverantwortung. Wie definierst du Führung in deinem Start-Up Kontext? Gibt es bestimmte Prinzipien, die du besonders wichtig findest und wie hat die LTA dazu beigetragen, dein Führungsverständnis zu formen?
HM: Eine gute Führung macht für mich aus 1. die Vision, die Ziele und den Leitfaden des Unternehmens an die Mitarbeitenden zu vermitteln, so dass das Team gemeinsam auf die Ziele zuarbeiten kann. 2. Werte und Kultur im Unternehmen zu formen, unter denen die Mitarbeitenden optimal zusammenarbeiten können und 3. Mitarbeitende zu fordern und ihnen die Möglichkeit zu geben sich weiterzuentwickeln.
Die LTA hat mir zum Beispiel dabei geholfen die Kultur und Werte, die ich in meinem Unternehmen sehen möchte, besser in Worte zu fassen und mit den richtigen Methoden an mein Team weiterzugeben.
KSG: Welche Rolle spielt das Netzwerk der LTA für dich heute? Haben sich daraus langfristige Kooperationen ergeben
HM: Ein gutes Netzwerk macht aus, dass man sich gegenseitig kontaktieren kann, wenn Themen aufkommen, bei denen ein Rat von außen hilfreich sein könnte. Das ist im LTA-Netzwerk der Fall. Mit einem großen Teil der LTA-Teilnehmer bin ich noch eng vernetzt, zum Teil sind sogar Freundschaften entstanden.
KSG: Euer Unternehmen heißt „NanoStruct“. Woran arbeitet ihr? Was möchtet ihr verbessern?
HM: NanoStruct entwickelt ein Analysesystem, mit dem sich gefährliche Bakterien schnell und einfach identifizieren lassen. Während aktuelle Methoden oft Tage benötigen, erkennen wir die Bakterien bereits nach Stunden. Somit können wir im ersten Schritt die Lebensmittelsicherheit erhöhen, perspektivisch kann die Methode aber auch in der Diagnostik z.B. für die schnelle Diagnose von Sepsis oder in anderen Industriezweigen Verwendung finden. Die Technologie basiert auf einer Nanotechnologie daher der Name unserer Firma: NanoStruct.
Mit einem großen Teil der LTA-Teilnehmer bin ich noch eng vernetzt, zum Teil sind sogar Freundschaften entstanden.
Henriette Maaß
KSG: Wenn du zurückschaust (Physikstudium, LTA, Startup-Gründung, Unternehmerin etc.): Was siehst du als deinen wichtigsten Erfolg? Und worauf freust du dich am meisten in der nächsten Phase deiner Arbeit?
HM: In meiner beruflichen Laufbahn gibt es drei Ereignisse bzw. Entscheidungen, die ich als wegbereitende und verändernde Erfolge nennen würde. Das erste ist der erfolgreiche Abschluss meiner Doktorarbeit und die damit verbundene Erfahrung, dass auch langfristige und herausfordernde Ziele erreichbar sind. Das zweite war der Schritt in das Unternehmertum mit der Gründung von NanoStruct, einen Schritt, den ich nicht mehr rückgängig machen möchte. Das dritte ist die Familiengründung, mit der für mich das Selbstverständnis verbunden ist, dass ich als Unternehmerin Beruf und Familie vereinen kann. Mir ist es sehr wichtig dies auch anderen jungen Gründerinnen zu vermitteln und zu zeigen. Nun stehen wir kurz vor dem nächsten großen Meilenstein, dem Marktstart unseres Produktes, mit dem wir den Mehrwert unserer Technologie endlich auch verwirklichen können und so langfristig zur Sicherheit und Gesundheit der Menschen beitragen können.
Vielen Dank für das Interview!