Während andere Jugendliche in seinem Alter zwischen Mathehausaufgaben und Fußballtraining jonglieren, schafft Jakob Zick aus Laupheim den Spagat zwischen Gründung, Schule und Stipendium ohne Probleme. Der 17-Jährige aus Laupheim ist YEEP-Stipendiat, Gründer, Mitglied und Chapter Lead im Young Founders Network Verein und Vorstandsmitglied der Schülerfirma Uncle Carls.
Und obenauf ist er seit Kurzem auch Startup Teens Winner 2025. Mit seiner App Timeable, einem smarten digitalen Schülerplaner, hat er gemeinsam mit seinem Team den ersten Platz in der Kategorie „Apps & KI-Anwendungen“ gewonnen. Angesichts dieser Vita drängt sich fast die Frage auf, ob seine Idee für einen smarten Planer vielleicht einfach Eigenbedarf war, damit er selbst nicht den Überblick verliert. Als Teilnehmer der vierten ETA-Staffel der Karl Schlecht Stiftung spricht er über seine Motivation, seinen Gründergeist und darüber, wie man es schafft verschiedenen Interessen nachzugehen, ohne den Überblick zu verlieren.
„Der Award zeigt mir, dass man nicht erst studiert haben oder „fertig" sein muss, um etwas zu bewegen. Man kann direkt anfangen.“
Jakob Zick
Karl Schlecht Stiftung (KSG): Gratulation zum ersten Platz. Wie fühlt es sich an, mit einer Schüler-App ganz Deutschland zu beeindrucken und dabei selbst noch Schüler zu sein?
Jakob Zick (JZ): Das ist erstmal sehr surreal, ehrlich gesagt. Ich bin selbst noch mittendrin, sitze in denselben Klassenräumen und habe dieselben Probleme mit der Organisation meines Schulalltags gehabt. Genau deshalb weiß ich aber auch, dass das Problem, das wir lösen, wirklich da ist. Der Award zeigt mir, dass man nicht erst studiert haben oder „fertig" sein muss, um etwas zu bewegen. Man kann direkt anfangen. Gleichzeitig ist es auch ein Ansporn, weil jetzt haben wir Aufmerksamkeit und müssen die Erwartungen auch erfüllen. Aber das motiviert mich eher, als dass es Druck macht.
KSG: Du hast im Rahmen der ETA-Staffel der Karl Schlecht Stiftung teilgenommen.
Was war dein größtes Learning aus dem Programm?
JZ: Mein größtes Learning war definitiv, dass ich nicht alleine bin. In meinem direkten Umfeld kannte ich nicht so viele, die gründen oder sich mit Entrepreneurship beschäftigen. Aber bei der ETA habe ich so viele Gleichgesinnte getroffen, die ähnliche Ziele haben, ähnliche Herausforderungen kennen und einfach genauso brennen für das Thema Unternehmertum wie ich. Das Gefühl einer Community und gegenseitiger Unterstützung war unbezahlbar.
„Das technische Know-how kann man sich aneignen, aber diese zwischenmenschlichen Kompetenzen sind das Fundament für alles andere.“
Jakob Zick
KSG: Du hast zudem am Förderprogramm YEEP teilgenommen. Welche Erfahrungen oder Impulse aus YEEP haben die Entwicklung von Timeable oder deine persönliche Weiterentwicklung besonders beeinflusst?
JZ: YEEP setzt vor allem im ersten Halbjahr stark auf Persönlichkeitsentwicklung. Es ging um Themen wie Teamwork, Kommunikation und diese ganzen Soft Skills. Für Timeable und uns als Team waren genau diese Skills mega wichtig. Aber auch für mich persönlich haben mir diese Impulse geholfen, besser zu verstehen, wie man effektiv zusammenarbeitet und Verantwortung übernimmt. Das technische Know-how kann man sich aneignen, aber diese zwischenmenschlichen Kompetenzen sind das Fundament für alles andere.
KSG: Bei der ETA gibt es die Möglichkeit sich mit bereits etablierten Start-up Gründern auszutauschen. Was konntest du von diesen für dich mitnehmen?
JZ: Das waren vor allem praktische Einblicke, und zwar nicht nur die polierte Erfolgsgeschichte, sondern auch die ehrlichen Momente. Welche Fehler haben sie gemacht? Was würden sie anders machen? Dabei wurde mir deutlich, dass Rückschläge ein normaler Teil des Gründungsprozesses sind und Ausdauer eine zentrale Rolle spielt
KSG: Wenn du auf die Entwicklung von Timeable zurückblickst, was war der Moment, an dem du gemerkt hast: „Okay, das könnte wirklich etwas Großes werden“.
JZ: Sehr gute Frage und das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Der Moment war wahrscheinlich, als ich eine Marktforschungs-Umfrage an meiner Schule gemacht habe und über 800 Schülerinnen, Schüler und Eltern teilgenommen haben. Mehr als die Hälfte hatte genau dasselbe Problem mit der Organisation des Schulalltags wie ich. Da ist mir klar geworden: Das ist kein Nischenproblem, das nur mich betrifft, das ist ein echtes, weit verbreitetes Problem. Und wenn so viele Menschen das teilen, dann hat eine Lösung dafür auch echtes Potenzial.
KSG: Was unterscheidet eure App von den vielen anderen Schulplanern auf dem Markt?
JZ: Im Vergleich zu anderen Planern verknüpfen wir alle Apps, die Schüler ohnehin schon nutzen, sei es für Messaging, den Stundenplan oder andere schulische Tools. Die meisten Schulen geben schon verschiedene Apps vor, aber die sind oft unübersichtlich und nicht miteinander verbunden. Wir bringen durch die Verbindung all dieser Apps eine übersichtliche Darstellung von allem in einer einzigen App und die ist frei individualisierbar. Jeder kann mithilfe von Widgets die App genauso einstellen, wie er sie braucht. Wenn ein Lehrer eine Hausaufgabe in einer der bestehenden Apps einträgt, wird sie automatisch in Timeable ausgespielt. Dazu gibt es eine Eltern-Connect-Funktion, sodass Eltern volle Übersicht über alle Aufgaben haben. Also der entscheidende Unterschied ist, dass wir echte Integration schaffen, statt noch eine weitere App auf den Markt zu bringen.
KSG: Bei so vielen wichtigen Posten und Aufgaben, die du verfolgst, was hat bei dir Priorität und warum?
JZ: Die Schule bleibt auf jeden Fall die Basis, weil ohne Abschluss wird's langfristig schwierig. Timeable hat auch eine hohe Priorität, weil wir nach Startup Teens echtes Momentum haben, das wir nutzen müssen. YFN und meine anderen Engagements sind auch wichtig für mein Netzwerk und vor allem meine persönliche Entwicklung, aber ich setze mir auch klare Grenzen. Ich kann nicht alles gleichzeitig zu 100% machen. Ich versuche vor allem danach zu priorisieren, was mich am meisten voranbringt und was mir langfristig am meisten Türen öffnet.
KSG: Unternehmertum mit 17 Jahren ist nicht alltäglich. Was würdest du anderen Jugendlichen raten, die vielleicht noch nicht so ganz weit sind wie du, aber sich für diesen Bereich bereits interessieren?
JZ: Einfach machen. Ja, das klingt langweilig und abgedroschen, aber es gibt kein großes Geheimnis. Es ist einfach Disziplin und den ersten Schritt zu wagen. Schaut euch in eurem Alltag um, achtet auf Probleme, die euch auffallen, vor allem in Bereichen, die euch wirklich interessieren. Das aller Wichtigste ist, nie den Spaß und die Freude daran zu verlieren, was man macht. Es sollte keine riesige Belastung sein. Ich persönlich mache es gerne, und es fühlt sich oft fast wie ein Ausgleich an. Wenn ihr das Gefühl habt, dass euch etwas interessiert, dann probiert es aus. Man lernt am meisten durchs Machen.
„Ich mag es, selbst gestalten zu können, wie ich arbeite und mit wem. Außerdem bekommt man direktes Feedback von den Nutzern und sieht sofort, ob die Lösung funktioniert oder nicht.“
Jakob Zick
KSG: Was fasziniert dich persönlich an der Selbstständigkeit und hast du bestimmte Vorbilder?
JZ: Tatsächlich fasziniert mich die Freiheit am allermeisten. Ich kann Ideen umzusetzen, ohne auf Erlaubnis warten zu müssen. Und natürlich auch das Thema Innovation. Dinge neu zu denken und besser zu machen als sie jetzt sind. Ich mag es, selbst gestalten zu können, wie ich arbeite und mit wem. Außerdem bekommt man direktes Feedback von den Nutzern und sieht sofort, ob die Lösung funktioniert oder nicht. Was Vorbilder angeht: Mein allergrößtes Vorbild ist Martin Plöckl, mein allererster Mentor der mich seit Tag 1 unterstützt. Aber auch Prof. Dr. Anja Höft, Stefanie Senger und Max Maendler haben mich stark geprägt. Von den etablierten Gründern inspirieren mich Johannes Kliesch, der Gründer von Snocks, und auch Torben Platzer sehr. Auch Jungunternehmer wie Darius Göttert finde ich sehr inspirierend. Und ganz klassisch natürlich Steve Jobs, für seine Vision und seinen Mut, Dinge komplett anders zu machen.
Wir sagen herzlich Danke für das Interview und wünschen dir viel Freude und gutes Gelingen auf deinem unternehmerischen Weg.

