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Gute Entscheidungen brauchen mehr als Zahlen

29.09.2026

Im Interview mit IPU-Alumni Severin Pesch, Geschäftsführer von ZAE Antriebssysteme und Investor.
Unternehmerisches Denken, Investitionsentscheidungen und Verantwortung für Menschen gehen für Severin Pesch Hand in Hand. Als Gesellschafter-Geschäftsführer der ZAE Antriebssysteme und Investor in Sondersituationen weiß er, dass nachhaltiger Erfolg weit mehr erfordert als wirtschaftliche Kennzahlen

Das Studium an der International Psychoanalytic University (IPU) in Berlin hat ihm dabei neue Perspektiven auf Entscheidungsprozesse, Veränderungsprozesse und zwischenmenschliche Dynamiken eröffnet. An der IPU studierte er am Erich Fromm Study Center (EFSC) berufsbegleitend den Master-Studiengang „Leadership und Beratung“, der seine Führungskompetenz weiter schärfte. Erich Fromm ist dabei nicht nur der Namensgeber: Seine Ansätze zur Persönlichkeitspsychologie und Wirtschaftsethik spielen auch in der inhaltlichen Ausrichtung des Studiengangs eine wichtige Rolle. Severin Pesch sprach mit uns darüber, warum psychologisches Verständnis im Unternehmertum oft unterschätzt wird und weshalb gute Führung immer auch mit Selbstkenntnis beginnt.

KSG: Sie verbinden unternehmerische Verantwortung mit Ihrer Tätigkeit als Investor. Inwiefern hat das Studium an der IPU Ihren Blick auf Führung und Entscheidungsfindung geprägt?

Severin Pesch (SP): Ich komme gebürtig aus einem Familienunternehmerhaushalt, habe nach dem Studium im Private Equity Umfeld gearbeitet und bin seit mehreren Jahren Teil einer Partnergeführten Beteiligungsgesellschaft. Ich habe mich also in vielen Rollen und Kontexten mit dem Deutschen Mittelstand beschäftigt und hier viel Erfahrung aufgebaut – meist waren die Unternehmen in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Mir hat das Studium geholfen mir meine eigene Haltung bewusst zu machen, meiner Intuition zu vertrauen und mir zuzutrauen, dem auch zu folgen. Auf einer abstrakteren Ebene hat mir das Studium geholfen herauszufinden, dass ich im Kontext von Mittelstand an der richtigen Stelle im Bus sitze, wie man im Englischen so schön sagt. In Bezug auf Führung bin ich, denke ich, souveräner darin geworden, meinen eigenen Stil zu leben.

KSG: Unternehmer und Investoren müssen täglich Entscheidungen unter Unsicherheit treffen. Welche Bedeutung haben dabei psychologische Faktoren, sowohl im Umgang mit Menschen als auch mit sich selbst für Sie?

SP: Ich muss (im Mittelstand und noch mehr als Inhaber) meiner eigenen Entscheidung vertrauen, damit ich sie vor mir und anderen authentisch vertreten kann. Hierfür gibt es keine Abkürzung und die Menschen spüren, ob man dahintersteht, oder nicht. Insofern muss ich lernen in mich hineinzuhorchen und zu deuten, was ich dort vorfinde, sonst sitze ich nicht am Steuer.

„Führung involviert die handelnde Person zwangsläufig als Mensch, Management nicht unbedingt. Beides kann man gut und schlecht machen, aber als Unternehmer habe ich die Menschen lieber hinter mir.“ 

Severin Pesch

KSG: Was unterscheidet aus Ihrer Sicht gute Führung von erfolgreichem Management?

SP: Führung involviert die handelnde Person zwangsläufig als Mensch, Management nicht unbedingt. Beides kann man gut und schlecht machen, aber als Unternehmer habe ich die Menschen lieber hinter mir. Mir hat auch mal jemand gesagt, dass der große Vorteil als Inhaber ist, dass ich vor meiner Belegschaft gemachte Fehler eingestehen kann; das ist als Manager schon die ganz große Kunst bis unmöglich.

KSG: Welche Eigenschaften suchen Sie heute bei Gründerinnen und Gründern oder Führungspersönlichkeiten, wenn Sie in Unternehmen investieren oder mit ihnen zusammenarbeiten?

SP: Ich suche Unternehmer, keine Manager. Wichtige Eigenschaften sind für mich Mut, Enthusiasmus, Fleiß und Charisma. Exkurs: Wer sich vor 30 Jahren selbstständig gemacht hat, war m.E. quasi schon Unternehmer, weil die Finanzierung dieses Versuchs meist durch ihn selbst passierte und mit Risiko einherging. Heute haben wir Startup-Gründer, die ihre Idee meist sehr frühphasig von Investoren finanzieren lassen; dies bringt sehr viele positive Aspekte mit sich, jedoch auch den nachfolgenden: Junge Menschen nennen sich „CEO und Founder“, obwohl sie außer einem Gehaltsverzicht kaum Risiko tragen gegenüber einer Angestellten-Karriere. Hier schaue ich genau hin, welchen Typ Mensch ich hier vorzufinden glaube, denn ich will in Unternehmer investieren und nicht in Angestellte.

KSG: Innovation bedeutet oft, Risiken einzugehen. Wie gelingt es, mutige Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig verantwortungsvoll zu handeln? Worauf kommt es an?

SP: Das ist abstrakt schwer zu beantworten, obgleich heute im Mittelstand eine hoch relevante Frage. Ich persönlich würde den Unternehmensfortbestand als höchstes Ziel definieren und daran die Risikobereitschaft ausrichten. Ich halte es für wichtig sich selbst in seiner Eigenschaft einschätzen zu können, bspw. zu wissen, ob man eher risiko-avers, oder risiko-affin veranlagt ist. Ich persönlich würde zu gegebener Zeit, was auch sehr früh sein kann, meine Führungsebene ins Boot holen. Sie wissen meist viel mehr als ich.

KSG: Welche Rolle spielen für Sie Werte und Haltung, wenn wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung miteinander in Einklang gebracht werden sollen?

SP: Wenn ich meine eigenen Werte (vor)lebe, über mein Handeln reflektiere, mich um den Fortbestand meines Unternehmens kümmere und dabei erfolgreich bin, passiert dieser Einklang hoffentlich. Ich glaube nicht an die Maximierung des wirtschaftlichen Erfolgs, durch Verschiebung der eigenen inneren Grenzen und Werte. Es macht bestimmt unglücklich und einsam.

„Ich glaube nicht an die Maximierung des wirtschaftlichen Erfolgs, durch Verschiebung der eigenen inneren Grenzen und Werte. Es macht bestimmt unglücklich und einsam.“

Severin Pesch

KSG: Erich Fromm verband Psychologie, Gesellschaft und Wirtschaftsethik. Was können Unternehmer und Führungskräfte aus seiner Sicht heute noch lernen?

SP: Das weiß ich nicht, aber vielleicht reicht es auch, wenn sie Freude daran finden seine Bücher zu lesen – so war es bei mir.

KSG: Die Karl Schlecht Stiftung setzt sich für Good Leadership ein. Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit die nächste Generation von Unternehmerinnen, Unternehmern und Führungskräften nicht nur erfolgreich, sondern auch verantwortungsvoll handelt?

SP: Ich glaube unser Land braucht wieder mehr Menschen in Forschung, Entwicklung und in Summe mehr Freude am Schaffen. Es braucht gleichzeitig weniger Menschen, die das Tun, oder Lassen der handelnden und gestaltenden Personen analysieren und bewerten.

Vielen Dank für das Interview!

Text: Dr. Sofia Delgado