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Ein Koffer voller Bildung

12.03.2026

Wie das digitale Kulturschule-KIT Schulen in Bewegung bringen willEin Interview mit Dr. Britta Klopsch, Professorin für Schulpädagogik und Elisa Adams, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Schulpädagogik und Didaktik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Die Kulturschule versteht Schule nicht nur als Ort der Wissensvermittlung, sondern als kulturellen Erfahrungsraum, in dem Lernen, Teilhabe und Persönlichkeitsentwicklung systematisch zusammengedacht werden. In vielen Bundesländern haben sich bereits zahlreiche Schulen auf den Weg gemacht, ihr Profil in Richtung Kulturschule zu entwickeln. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu entsprechenden Konzepten oder Methoden bislang begrenzt, insbesondere für Schulen, die kulturelle Bildung nicht nur über Projekte, sondern langfristig und strukturell als Schulentwicklungsaufgabe verankern möchten. 

In Baden-Württemberg ist die Kulturschule inzwischen ein Landesprogramm, das vor zehn Jahren von der KSG iniitiert und mit dem langjährigen Engagement etlicher Stiftungen aus dem "Ländle", darunter u.a.die Stiftung Würth, die Bauder-Stiftung und die Breuninger-Stiftung, gefördert wurde. Nach zehn Jahren fördert die KSG nun ergänzend die Projekte „Kulturschule-KIT“ und den „Methodenkoffer für kulturell‑ästhetisches Lernen in der Hochschule“.

Damit erweitert die KSG ihren Adressatenkreis in der Kulturellen Bildung über Schüler und Lehrkräfte hinaus nun auch auf Lehramtsstudierende und Dozierende sowie Fachberater/Multiplikatoren am ZSL.

Zeitgleich gewinnt vor diesem Hintergrund die Frage an Bedeutung, wie mehr Schulen befähigt werden können, sich zu Kulturschulen zu wandeln. Ein zentrales Instrument hierfür ist das „Kulturschule-KIT“, ein digitaler Werkzeugkoffer, den Prof. Dr. Britta Klopsch und Elisa Adams auf Basis ihres Buches „Didaktik der Kulturschule“ entwickelt haben.

Der „digitale Koffer“ stellt Schulen Materialien, darunter Handreichungen, Präsentationen, Videos und Podcasts zur Verfügung, um kulturelle Bildung systematisch in Schulentwicklungsprozesse zu integrieren. Ziel ist es, Lehrkräfte, Schulleitungen und schulische Teams nicht nur zu informieren, sondern sie in die Lage zu versetzen, kulturelle Schulentwicklung aktiv, eigenständig und nachhaltig zu gestalten. 

Karl Schlecht Stiftung (KSG): Frau Prof. Klopsch In Ihrer Forschung spielt „Teacher Leadership“ eine zentrale Rolle. Inwiefern verstehen Sie kulturelle Schulentwicklung als Führungsaufgabe im Kollegium und welche Kompetenzen benötigen Lehrkräfte, um diese Rolle tatsächlich wirksam ausfüllen zu können? 

Prof. Dr.  Britta Klopsch (BK): Schulentwicklung ist ein Gemeinschaftswerk aller am Schulleben Beteiligten. Nur wenn alle gemeinsam an einer gemeinsamen Vision arbeiten, kann sie gelingen. Deshalb ist kulturelle Schulentwicklung immer auch Aufgabe des Kollegiums. Lehrkräfte, die sich selbst als Leader sehen, also sich aktiv für die Verbesserung von Lehr- und Lernpraktiken an der Schule einsetzen, Kolleg:innen motivieren und mit ihrer Expertise unterstützen, spielen dabei eine Schlüsselrolle. Ihre Kompetenzen liegen zum einen im Fachlichen und Pädagogischen, umfassen aber auch Facetten wie Offenheit, Mut, Selbstvertrauen, Lern- und Kooperationsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Selbstreflexion.

„Der Charme des Kulturschule-Kits liegt darin, dass Schulen konkrete Hilfestellungen bekommen, sich schrittweise zu einer Kulturschule zu entwickeln.“ 

Prof. Dr. Britta Klopsch

KSG: Welche Rolle können digitale digitale Angebote wie das Kulturschule-KIT in solchen Transformationsprozessen realistisch spielen und wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen digitaler Instrumente in der Schulentwicklung? 

BK: Der Charme des Kulturschule-Kits liegt darin, dass Schulen konkrete Hilfestellungen bekommen, sich schrittweise zu einer Kulturschule zu entwickeln. Das digitale Angebot kann jederzeit abgerufen und individuell angepasst werden, dies macht die Unterstützung besonders flexibel. Gleichzeitig liegt viel Verantwortung bei der Schule, sich in die Themen einzuarbeiten, um sich gezielt weiterzuentwickeln ohne durch Trainer oder Fortbildner unmittelbare Ansprechpartner:innen zu haben, mit denen gemeinsam Herausforderungen überwunden werden können. Dies ist eine Grenze digitaler Angebote.

KSG: Was war der Ausgangspunkt für die Entwicklung des digitalen Kulturschule-KIT? 

Elisa Adams (EA): Ausgangspunkt war die Überlegung, wie Schulen darin unterstützt werden können, sich eigenständig zu einer Kulturschule zu entwickeln. Hier setzt das digitale Kulturschule-KIT als eine Form der „Hilfe zur Selbsthilfe“ an. Es bündelt die Informationen rund um die Kulturschule und stellt sie so bereit, dass Schulen eigenständig, aber koordiniert und praxisorientiert an ihrer individuellen, kulturellen Schulentwicklung arbeiten können

KSG: Inwiefern unterscheidet sich das Kulturschule-KIT von klassischen Fortbildungsangeboten? Wie ist das digitale Kulturschule-KIT strukturiert? Welche Module oder Formate umfasst er? 

EA: Den Kern des digitalen Kulturschule-KIT bilden vier Pädagogische Tage, die aufeinander abgestimmt sind:

  • Tag 1: Kulturschule kennenlernen
  • Tag 2: Kulturschule vertiefen I – Bildungspartnerschaften
  • Tag 3: Kulturschule vertiefen II – kulturell-ästhetischer Unterricht
  • Tag 4: Kulturschule reflektieren

Für jeden Pädagogischen Tag stehen den Schulen eine detaillierte Handreichung zur Durchführung, eine individuell anpassbare Präsentation sowie ein Manual für die Lehrkräfte zur Verfügung.
Ergänzend gibt es eine Podcast-Serie mit Praxisperspektiven sowie Erklärvideos, die Einblicke in Entwicklungsprozesse aus der Sicht von einer Schulleitung und einem Schüler geben.

KSG: Welche Voraussetzungen brauchen Schulen, um sinnvoll damitzu arbeiten? 

EA: Die zentrale Voraussetzung ist die Bereitschaft des Kollegiums, kulturelle Bildung als Bestandteil der Schulentwicklung, also auch als Unterrichtsentwicklung, zu betrachten. Das Kit entfaltet seine Wirkung insbesondere dann, wenn Schulleitung und Kollegium gemeinsam Verantwortung übernehmen und die pädagogischen Tage als Teil des Schulentwicklungsprozesses nutzen.

KSG: Das Kulturschue-KIT soll „Menschen ins Tun bringen“. Was heißt das konkret im Schulalltag? 

EA:  „Menschen ins Tun bringen“ bedeutet, Kollegien dazu anzuregen die Ideen der Kulturschule in konkrete Handlungsschritte zu überführen. Im Schulalltag heißt das beispielsweise, Unterricht kulturell-ästhetisch weiterzuentwickeln, Kooperationen mit außerschulischen Partner:innen aufzubauen oder bestehende Projekte systematisch in das Schulprofil einzubetten. Das Kit strukturiert diesen Prozess so, dass Kollegien verbindliche Vereinbarungen treffen, Verantwortlichkeiten klären und nächste Schritte festlegen.

"Menschen ins Tun bringen" bedeutet, Kollegien dazu anzuregen die Ideen der Kulturschule in konkrete Handlungsschritte zu überführen.

Elisa Adams

KSG: Wie sehen Sie die Weiterentwicklung des Kulturschule-KITs in den nächsten Jahren, insbesondere im Kontext von KI und digitalen Lernumgebungen? 

Frau Prof. Klopsch und Frau Adams: Das Kulturschule-Kit gibt Impulse für die Schulen, sich aus eigener Kraft weiterzuentwickeln. Dazu braucht es Personen, die andere inspirieren und motivieren, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Das Kulturschule-Kit regt dazu an, sich selbst eine digitale Lernumgebung aufzubauen, die als schulindividuelle Unterstützung dient und langfristig immer weiter ausgebaut werden kann.

Vielen Dank für das Interview! Wer mehr zum digitalen Kulturschul-KIT erfahren möchte, kann sich an Britta Klopsch am KIT - Institut für Schulpädagogik und Didaktik (ISD) wenden.