Ein Gespräch mit Rana über ETA, ihre Visionen und Empowerment. Rana ist Gründerin, Schülerin und eine der jungen Stimmen ihrer Generation. Mit ihrem Start-up Spontane möchte sie Menschen weltweit dazu inspirieren, Sprachen durch spontane Gespräche und kulturellen Austausch zu lernen.
Sie nahm außerdem an der Entrepreneurship-Talent Akademie, kurz ETA teil, einem Stipendien-Programm der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, gefördert von der Karl Schlecht Stiftung. Hier geht es darum, sich als Schüler mit Entrepreneurship und Leadership-Themen sowie persönlicher Entwicklung auseinanderzusetzen. Das Bewusstsein zu schärfen, dass der Wandel aktiv mitgestaltet werden kann. Dr. Sofia Delgado fragte Rana für die Karl Schlecht Stiftung, was sie antreibt, wie sie Herausforderungen meistert und welche Werte sie auf ihrem Weg begleiten.
Karl Schlecht Stiftung (KSG): Du bist sehr aktiv, engagiert, noch Schülerin und bereits auf dem Weg zur eigenen Unternehmensgründung. Was treibt dich persönlich an?
Rana Namli (RN): Mein persönlicher Antrieb ist tief in meiner Lebensgeschichte verwurzelt: Als jemand, die in zwölf Städten in drei Ländern, England, der Türkei und Deutschland, gelebt hat, habe ich immer wieder bei null angefangen, musste mich neu anpassen und lernen, mich in unterschiedlichen Kulturen zurechtzufinden. Jeder Umzug war eine Chance, mir selbst, meiner Familie und meinem Umfeld zu beweisen, dass ich Herausforderungen in Chancen verwandeln kann.
Diese Erfahrungen haben mir beigebracht, Unterschiede nicht nur zwischen Ländern, sondern auch im Alltag in Bezug auf Denkweisen, Werte, Charaktere, Lebenswege und Sichtweisen zu verstehen. Heute sehe ich Unterschiede nicht als Probleme, sondern als Chance, voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Diese Haltung ist zu einem Kernstück meiner Persönlichkeit geworden. Meine Familie hat mir durch ihren Einsatz und ihren Glauben an ein internationales Leben die Welt eröffnet, und ich möchte ihnen zeigen, dass ihre Investitionen in Zeit, Geld und Mühe nicht umsonst waren. Ich bin zutiefst dankbar und sehe es als meine Verantwortung, dieses Geschenk in Form von Selbstentfaltung und gesellschaftlichem Impact zurückzugeben.
Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch unbegrenztes Potenzial hat. Deshalb strebe ich danach, jeden Tag zu lernen, Grenzen auszutesten und Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Ideen zu bauen. Für mich bedeutet Erfüllung nicht nur, Unternehmen wie „Spontane“ zu gründen, eine Plattform, die das Sprachenlernen durch kulturellen Austausch revolutioniert, sondern auch, junge Menschen, insbesondere Frauen, zu ermutigen, ihre Träume mutig zu verfolgen. Ich will eine Welt gestalten, in der jeder Gestalter*in der Zukunft sein kann. Mein Ziel ist es, ein Leben ohne Reue zu führen, inde mich meine Fähigkeiten, von Sprachen über Kreativität bis hin zu emotionaler Intelligenz, nutze, um nachhaltige Veränderungen zu schaffen.
„Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch unbegrenztes Potenzial hat. Deshalb strebe ich danach, jeden Tag zu lernen, Grenzen auszutesten und Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Ideen zu bauen.“
Rana Namli
KSG: In welchem Moment hast du realisiert, dass du deine eigene Richtung gestalten willst? Gibt es ein Erlebnis oder eine Entscheidung in deinem Leben, die alles verändert hat?
RN: Die Erkenntnis, dass ich meine eigene Richtung gestalten will, entstand allmählich. Sie wurde klar, als ich verstand, dass ich meine Fähigkeiten, meine Energie, meine Neugier und meinen Ehrgeiz vereinen kann, um eine Realität zu erschaffen, die nicht vorgegeben, sondern selbst gestaltet ist. Mein Umzug nach Deutschland 2021 mit 15 Jahren, ohne Deutschkenntnisse, war ein entscheidender Moment für diese Entscheidung. Ich stand vor einem Neuanfang: eine neue Sprache, ein anspruchsvolles Gymnasialsystem und die Herausforderung, mich zu beweisen. In nur einem Jahr erreichte ich B2-Niveau in Deutsch, holte Spanisch auf und lernte in vier Monaten vier Jahre Französischstoff nach, um die Anforderungen des Gymnasiums zu erfüllen. Diese Erfahrung zeigte mir: Erfolg entsteht, wenn man Chancen und manchmal auch das eigene Glück selbst erschafft, statt darauf zu warten, dass jemand kommt, um einen zu retten.
Ein weiterer Wendepunkt kam 2024 als ich in Frankfurt Gründer, Investoren und Visionäre traf. Diese Begegnungen öffneten mir die Augen für das Unternehmertum, einen Raum, in dem Ideen in Wirkung verwandelt werden. Sie gaben mir die Klarheit, meine Stärken und meine internationale Perspektive zu nutzen, um etwas Eigenes aufzubauen. So entstand „Spontane“, eine App, die Sprachlernen durch echte Begegnungen und kulturellen Austausch neu denkt. Für mich bedeutet Unternehmertum Freiheit: die Freiheit, das zu tun, was ich liebe, und die Welt ein Stück besser zu machen, mit Kreativität, Empathie und Entschlossenheit.
KSG: Darüber hinaus hast du dieses Jahr an der ETA teilgenommen. Was war deine Motivation, dich dafür zu bewerben, und hat sich diese Erwartung erfüllt?
RN: Meine Motivation, mich für die Entrepreneurship-Talent Akademie (ETA) zu bewerben, entstand durch eine Begegnung mit meiner Wirtschaftslehrerin, Frau Tanja Nurtsch. Obwohl sie nicht meine direkte Lehrerin war, hörte ich von ihrer inspirierenden Art und ihrem Engagement. Ich suchte sie auf, um über meine Leidenschaft für Wirtschaft und Unternehmertum zu sprechen. Sie erkannte mein Potenzial und empfahl mir die sdw und die ETA, eine Gelegenheit, die ich sofort ergriff. Mein Ziel war es, von Gleichgesinnten zu lernen, mein Netzwerk zu erweitern und meine Vision für „Spontane“ zu schärfen, während ich mich mit Themen wie Leadership, persönlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzte.
Die ETA hat meine Erwartungen weit übertroffen.
Die ETA hat meine Erwartungen weit übertroffen. Die interaktiven Workshops und der Austausch mit anderen talentierten Schülerinnen eröffneten mir neue Perspektiven auf Unternehmertum und globale Herausforderungen. Ich habe die Gelegenheit gehabt von den echten Gründerinnen zu lernen, deren Erfahrungen mich inspirieren zu lassen, und knüpfte Kontakte zu Gleichgesinnten, die ich als „zukünftige Millionär*innen“ sehe, nämlich die Menschen, die wie ich die Welt verändern wollen
„Mein Ziel war es, von Gleichgesinnten zu lernen, mein Netzwerk zu erweitern und meine Vision für „Spontane“ zu schärfen, während ich mich mit Themen wie Leadership, persönlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzte.“
Rana Namli
KSG: Welche Netzwerke oder Beziehungen hast du durch die ETA aufbauen können, die dir weiterhelfen?
RN: Die ETA hat mir ein unschätzbares Netzwerk von Gleichgesinnten und Mentorinnen eröffnet, dass meine unternehmerischen und persönlichen Ziele vorantreibt. Ich habe sehr inspirierende Schülerinnen kennengelernt, die wie ich große Visionen verfolgen, von nachhaltigen Start-ups bis hin zu sozialen Engagements. Diese „zukünftigen Millionärinnen“, wie ich sie nenne, sind nicht nur meine Freunde und potenzielle Kooperationspartnerinnen, sondern auch eine Quelle der Inspiration und des gegenseitigen Ansporns.
Besonders wertvoll waren die Begegnungen mit erfahrenen Gründerinnen und Expertinnen während der Workshops, die mir praktische Einblicke in die Umsetzung von Businessplänen gaben. Ein Mentor aus der ETA gab mir beispielsweise Feedback zu „Spontane“, dass mir geholfen hat, die Nutzererfahrung der App zu verbessern.
Diese Kontakte geben mir Orientierung und öffnen Türen zu neuen Möglichkeiten, sei es für zukünftige Kooperationen oder den Zugang zu Ressourcen. Die ETA hat mir gezeigt, wie wichtig ein starkes Netzwerk ist, um globale Herausforderungen anzugehen und meine Vision einer vernetzten Welt voranzutreiben.
KSG: Wie schaltest du bewusst ab und schöpfst neue Energie in stressigen Zeiten?
RN: In stressigen Zeiten finde ich Balance, indem ich bewusst Momente der Reflexion, Inspiration und Verbindung schaffe. Ich liebe es, mit visionären Menschen zu brainstormen und zukunftsorientierte Gespräche zu führen, denn ich weiß, dass große Köpfe im Moment leben, aber für die Zukunft träumen, um ihre Visionen zu verwirklichen. Diese Begegnungen mit Menschen, die die Welt gestalten, inspirieren mich und geben mir neue Energie. Gleichzeitig verbringe ich gerne Zeit mit meinen Freund*innen. Wir gehen laufen, trinken Kaffee oder arbeiten gemeinsam.
Meine Spiritualität spielt eine zentrale Rolle in meinem Leben. Als gläubige Person spreche ich regelmäßig mit Gott und bete, um meine Gedanken zu ordnen, innere Ruhe zu finden und meine emotionale Intelligenz zu stärken. Dies hilft mir, klare Entscheidungen zu treffen. Zeit mit meiner Familie ist ebenfalls essenziell. Sie erinnert mich an die Werte, die mich geprägt haben. Zudem lese ich Bücher wie George Orwells 1984 oder Werke über Psychologie und globale Systeme, die meinen Horizont erweitern und mir helfen, die Welt besser zu verstehen. Sport, insbesondere Laufen, Fokus auf mentale Stärke, gibt mir die Kraft, meinen Kopf freizubekommen. Die Mischung aus spirituellem Denken, intellektueller Anregung, sozialen Kontakten, familiärer Nähe und körperlicher Aktivität hilft mir, auch in stressigen Zeiten konzentriert und kreativ zu bleiben und voller Energie an meinen Visionen zu arbeiten.
„Meine Vision ist es, Millionen Menschen weltweit durch kulturellen Austausch und echte Verbindungen zu Bildung und Selbstverwirklichung zu verhelfen.“
Rana Namli
KSG: Welche Botschaft möchtest du anderen mitgeben, die gerade ihren eigenen Weg erkunden?
RN: Ich glaube und weiß, alles beginnt mit kleinen Schritten und mit der bewussten Absicht, diese Schritte zu gehen. Viele träumen von großen Zielen, aber der erste Schritt ist, sich selbst kennenzulernen: Wer bist du, und warum tust du, was du tust? Wenn du deine Intention klar hast, verleiht das selbst den kleinsten Handlungen Bedeutung. Für mich ist die Intention wichtiger als das Ergebnis, denn eine reine Absicht führt dich dorthin, wo du hingehörst. Ein Gespräch, ein Moment der Reflexion oder ein kleiner Entschluss können dir zeigen, was dich antreibt. Besonders junge Frauen ermutige ich, ihre Stärken zu entdecken und sich nicht von Erwartungen einschränken zu lassen. Sei ein Macher, nicht ein Zauderer, und frag dich jeden Tag: „Was kann ich heute mit reiner Intention tun, um meiner Vision näherzukommen?“ Handle mit Mut und Klarheit, denn die Zukunft gehört denen, die sie selbst in die Hand nehmen.
Wo möchtest du dich in zehn Jahren beruflich und privat sehen? Hast du bereits eine persönliche Vision?
In zehn Jahren sehe ich mich als Gründerin eines global erfolgreichen Unternehmens, das mit „Spontane“ das Sprachlernen revolutioniert, menschlicher, zugänglicher und inspirierender. Meine Vision ist es, Millionen Menschen weltweit durch kulturellen Austauschund echte Verbindungen zu Bildung und Selbstverwirklichung zu verhelfen. Als jemand, der in 3 Jahren vier Sprachen gelernt hat und dabei oft Frust und Isolation erlebt hat, weiß ich, wie herausfordernd dieser Prozess sein kann. „Spontane“ soll das ändern, indem es Sprachlernen emotional, motivierend und gemeinschaftlich gestaltet.
Beruflich strebe ich an, ein Unternehmen mit Teams in verschiedenen Ländern aufzubauen, die gemeinsame Werte teilen, Inklusion, Innovation und Empowerment. Ich träume von der Freiheit, global zu arbeiten, Perspektiven zu verbinden und Chancen zu schaffen, besonders für junge Frauen, die Bildung als Schlüssel zu ihrer Zukunft nutzen.
Privat wünsche ich mir ein Leben in Balance, erfüllt von Lernen, Inspiration und Menschen, die meine Vision teilen. Mein Glaube gibt mir die Kraft, mit jeder Entscheidung etwas Nachhaltiges aufzubauen, nicht nur ein Unternehmen, sondern eine Bewegung, die Menschen verbindet und inspiriert. Meine persönliche Vision ist es, ein Leben zu führen, das Authentizität und gesellschaftlichen Impact vereint, und andere, insbesondere junge Frauen, zu ermutigen, ihre Träume mutig zu verfolgen.
Vielen Dank für das Interview!
