KSG: Vor zwei Jahren wurde die Akademie ins Leben gerufen. Ein wesentlicher Aspekt liegt auf Talententwicklung und Persönlichkeitsbildung. Gibt es bereits Fortschritte und Veränderungen, die Sie bei den jungen ehemaligen Teilnehmern beobachten können?
NSE: Mit der Akademie 2030 wurde ein ganzheitlich neues Format mit Alleinstellungsmerkmal ins Leben gerufen, welches uns zeigt, dass es richtig ist und Wirkung entfaltet. Viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer treten heute mit größerer Klarheit und Selbstsicherheit in den professionellen Kontext ein- sei es in einem festen Engagement als Sänger*in an unserem Opernhaus oder in der Freiberuflichkeit. Sie reflektieren bewusster ihre Entscheidungen, gehen strukturierter mit Herausforderungen um und verfügen über ein realistisches Bild ihrer Möglichkeiten. Besonders bemerkenswert ist, dass sie nicht nur künstlerisch, sondern auch persönlich gereift wirken. Sie verstehen sich stärker als gestaltende Akteurinnen und Akteure ihrer eigenen Laufbahn – und genau das ist ein zentrales Ziel der Akademie 2030.
KSG: Eines Ihrer Leitmotive ist die Balance zwischen Tradition und Innovation. Welche Entwicklungen beobachten Sie in diesem Spannungsfeld?
NSE: Ich erlebe, dass Tradition und Innovation zunehmend als gegenseitige Voraussetzungen verstanden werden. Die große Stärke der Oper liegt in ihrer Geschichte und ihren künstlerischen Formen, gleichzeitig verlangt die Gegenwart nach neuen Perspektiven, Arbeitsweisen und Zugängen.
Innovation bedeutet dabei nicht, Tradition infrage zu stellen, sondern sie weiterzudenken – im Umgang mit Publikum, in der Ausbildung junger Künstlerinnen und Künstler und in der Öffnung gegenüber gesellschaftlichen Diskursen. Diese Balance bewusst zu gestalten, ist eine zentrale Aufgabe heutiger Opernhäuser.
KSG: Mit Blick auf Ihre Entwicklungsarbeit: Welche Antworten ergeben sich aus heutiger Sicht auf die Frage, wie ein Opernhaus zum Kulturbau der Zukunft werden kann?
NSE: Ein Opernhaus der Zukunft versteht sich nicht nur als Produktionsort, sondern als lernende, vernetzte Institution. Es übernimmt Verantwortung für künstlerische Qualität ebenso wie für gesellschaftliche Relevanz und nachhaltige Strukturen.Programme wie die Akademie 2030 zeigen, dass Zukunftsfähigkeit dort entsteht, wo Vertrauen, Förderung und Offenheit zusammenkommen. Wenn es gelingt, junge Talente ernsthaft einzubinden, Partnerschaften zu pflegen und Räume für Entwicklung zu schaffen, kann das Opernhaus auch künftig ein lebendiger Ort kultureller Bedeutung sein.