Am 5. Dezember hielt Prof. Dr. Nils Goldschmidt seine Antrittsvorlesung als Direktor des Weltethos-Institut Tübingen (WEIT) unter dem Titel „Kompromisse. Warum die Wahrheit uns nicht retten wird“.

Seinen Antritt würdigten im voll besetzten Saal im Weltethos-Institut Prof. Dr. Dr. hc. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Engler, Präsident der Stiftung Weltethos, Dr. Philipp Bocks, Vorstand der Karl Schlecht Stiftung (KSG) und Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer, Universität Freiburg, mit ihren Grußworten.
Auch als Professor für „Kontextuale Ökonomik und ökonomische Bildung“ an der Universität Siegen, verbindet Goldschmidt ökonomische, ethische und bildungswissenschaftliche Perspektiven in seiner Forschung und Lehre. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Ordnungsökonomik und Institutionenökonomik, ökonomische Bildung (also wie ökonomisches Wissen vermittelt und verstanden wird), Sozialpolitik und soziale Dienstleistungen, Wirtschaftsethik, kulturelle Ökonomik sowie die Geschichte und Methodologie wirtschaftswissenschaftlichen Denkens.
Goldschmidt hat die Rolle als Direktor des WEIT von Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Hemel übernommen und ist jetzt der dritte Direktor des 2012 gegründeten Instituts. Das An-Institut der Stiftung Weltethos an der Universität Tübingen, agiert an der Schnittstelle von Wirtschaft, Ethik und Gesellschaft als Teil des Weltethos-Projekts von Hans Küng durch akademische Forschung, Bildung sowie Praxistransfer mit Unternehmen und im öffentlichen Dialog.
Dr. Philipp Bocks ging in seinem Grußwort auch auf die ursprüngliche Intention Karl Schlechts zur Förderung der Weltethos-Idee und der Rolle des Weltethos-Instituts als Teil des Markenkerns der KSG ein. Er schloss mit den Worten, dass „Vor diesem Hintergrund das Institut mit seiner Arbeit ein Leuchtturmprojekt für die KSG, ganz im Sinne des Stifters und unserer Mission „Good Leadership“ ist und bleibt.“
Das Weltethos-Institut ist seit seiner Gründung das größte Projekt der Karl Schlecht Stiftung. Die Herausforderung, Hans Küngs Projekt Weltethos für die Weltwirtschaft relevant zu machen, hat die letzten Lebensjahre des Stifters, Karl Schlecht, maßgeblich geprägt. Das WEIT spielt dabei eine wichtige Rolle als Lehrveranstalter und Forschungszentrum an der Universität Tübingen.
Der neue Direktor des Weltethos-Instituts steht vor einer besonderen Herausforderung: er arbeitet mit drei Stakeholdern zusammen – Universität Tübingen, Stiftung Weltethos und Karl Schlecht Stiftung.
Das Thema der Antrittsvorlesung – ‚Kompromisse‘ – war deswegen eine im doppelten Sinne kluge Themenwahl: Mit vielen Menschen zusammenarbeiten und unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, bedeutet immer auch, Kompromisse schließen zu müssen. Gerade auch, wenn es wie bei Diskussionsveranstaltungen am Weltethos-Institut über hochbrisante Fragen geht, wie der Umgang mit KI, ökologische oder geopolitische Krisen, Steuer- oder Leistungsgerechtigkeit: wer ein inspirierender Dialogort sein will, muss das Vertrauen aller Seiten gewinnen.
Zum Abschluss seines Vortrags wies Goldschmidt darauf hin, dass es für Kompromisse auch ein gewisses Maß an Humor und Selbst-Ironie braucht, dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt und zeigte beispielhaft, wie das gelingen kann.


Als Ökonom und Theologe, als Mitglied im Deutschen Ethikrat und Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V. (ASM), hat Goldschmidt diese Kompromissbereitschaft lange Jahre trainiert, was auch seine Wegbeleiterin, die Grußrednerin Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer bestätigt.
Sein Herzensthema, die Soziale Marktwirtschaft als Friedensprojekt, ist ihrerseits ein Kompromissthema. So beschreibt Goldschmidt zum einen, die Grundidee von Märkten als „genau das: so viele Kompromisse wie möglich zum gegenseitigen Vorteil zu schließen.“ Zum anderen kann eine Marktwirtschaft ohne sozialen Zusammenhalt nicht ein gewisses Maß an positiver Entwicklung erreichen. In seiner Vorlesung präsentierte Goldschmidt seine neue empirische Forschung, die anschaulich zeigte, wie stark die Korrelation zwischen wirtschaftlichem Erfolg und sozialem Zusammenhalt eigentlich ist.
Die Daten der Studie zeigen: Es steht um Deutschland gar nicht so ganz schlecht, wie heute oft beklagt wird. Im Vergleich zu den USA, China und Russland, hat Deutschland ein hohes und nicht sinkendes Maß an gesellschaftlichem Zusammenhalt und die wirtschaftliche Lage in den Daten bis 2023 ist ebenfalls nicht so düster, wie vielerorts behauptet. Entsprechend plädierte Goldschmidt für mehr Optimismus und Innovationslust in Deutschland.
In den kommenden Jahren wird sich zeigen, inwiefern das Weltethos-Institut sich im deutschen und internationalen Diskurs als zentrale Stimme etabliert. Das Institut kann und wird einen Beitrag in beide Richtungen leisten: soviel hat Nils Goldschmidt in seiner Antrittsvorlesung schon angedeutet.
Die KSG steht als Stakeholder und Partner an der Seite des Instituts und freut sich auf Dialog und die nächsten Entwicklungen.







